Tanz der Vampire (GB/USA 1967)

tanzdervampireDem Grafen Dracula ein parodistisches Bein zu stellen war mitnichten Roman Polanskis Intention, als er Ende der Sechziger „Tanz der Vampire“ drehte. Der Mythos um den aristokratischen Blutsauger scherte ihn nicht weiter, Spielregeln und Hintergründe des traditionellen Grusel-Stoffes werden praktisch als Basiswissen vorausgesetzt. Die Verbeugung vollzieht sich denn auch vorrangig in Richtung des klassischen Slapsticks und der Stummfilmkomik von Buster Keaton oder Laurel & Hardy.

In seiner Eigenwilligkeit erscheint diese Mischung höchst ungewöhnlich, garantiert aber verschroben irrwitziges Filmschaffen in liebevoller Ausstattung. Die Interieurs im verschneiten Transsylvanien beschränken sich auf eine kleine Schänke und das Schloss des Grafen von Krolock (Ferdy Mayne, „Barry Lyndon“), dessen Existenz die Bevölkerung gegenüber Besuchern aber hartnäckig leugnet. Doch der kauzige Professor Abronsius (Jack MacGowran, „Der Exorzist“), seines Zeichens in der Fachwelt belächelter Vampirforscher, und sein ängstlicher Assistent Alfred (Polanski) wissen die Zeichen zu deuten.

Der erste Teil bindet das Geschehen an die Spelunke des lasterhaften Shagal (Alfie Bass, „Alfie“), in dessen Tochter Sarah (Polanskis 1969 ermordete Gattin Sharon Tate) sich Alfred verguckt. Als sie aber vom Grafen aus der Wanne entführt wird und der ihr durch die eisige Wildnis nachjagende Shagal vermeintlich tot zurückgebracht wird, verdichtet sich Abronsius´ Beweissuche für die Existenz von Vampiren zu einer abenteuerlichen Nummernrevue, die beim Ball der Untoten in von Krolocks Schloss ihren Höhepunkt findet.

Auf gesteigertes Tempo setzt Oscar-Preisträger Polanski („Der Pianist“) beim Rettungsversuch der entführten Sarah nicht. Verspielt, jedoch nie von Hektik übermannt, tollen die Protagonisten (oft wortlos) durch die Kulissen, stolpern über Möbelstücke, bleiben in Fensteröffnungen stecken. Die situative Komik ist so simpel wie effektiv, lädt mehr zum verschmitzten Grinsen denn schallenden Gelächter ein. Tollpatschigkeit ist Trumpf und der schwule Krolock-Filius sorgt mit seinen Avancen in Richtung Alfred für zusätzliche Skurrilität.

Kritisch zu betrachten ist hingegen die deutsche Sprachfassung, die politische Anspielungen (als Jude ist der vampirische Shagal vor der Kraft des Kreuzes gefeit) und den oft ernsten Subtext weitgehend zerstört. Dennoch wurde „Tanz der Vampire“ auch hierzulande ein Klassiker und amüsiert durch seinen schelmischen Witz bis heute. Daneben aber fügen sich auch die atmosphärische, den Grusel-Vorbildern (bis auf die finalen Rückprojektionen) gerecht werdende Kameraarbeit und die nicht minder stimmungsvollen Kompositionen Krzysztof Komedas („Rosemary´s Baby“) ins fein akzentuierte Gesamtbild.

Wertung: (8 / 10)

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