Tal der Wölfe – Irak (TR 2006)

talderwoelfeirakZwei Fakten genügen als Hintergrund eines pseudo-politischen Films. Der eine ist die erniedrigende, von willkürlicher Ehrverletzung geprägte Abführung einer türkischen Spezialeinheit im Nordirak durch amerikanische Soldaten. Die andere ist das Foltergefängnis von Abu Ghraib. Um diese beiden Tatsachen bastelt der türkische Regisseur Serdar Akar den nahezu grotesken Kriegsactionfilm „Tal der Wölfe – Irak“, der in Deutschland ob seiner Popularität in Kreisen jugendlicher Migrantenkinder für hitzige Debatten sorgte. Bayuvarische Minister forderten die Beschlagnahmung des latent anti-amerikanischen Streifens, Journalisten setzten ihn gar mit den Propagandafilmen des Naziregimes gleich.

Der Film ist propagandistisch, aber nicht auf die hinterhältige Art der Nationalsozialisten. Er ist es auf die plumpe Weise eines reaktionären US-Ballerfilmchens. Das macht ihn in etwa so durchschaubar wie Rambos Einsätze in Vietnam oder Afghanistan. Eben ein Skandalfilm, der eigentlich keiner ist, weil ihm über vordergründig plakative Polarisation jegliche diskursive Grundlage fehlt. Er beschwört Feindbilder in einer radikalen Undifferenziertheit, die Menschen durchschnittlicher Intelligenz nicht mehr als ein Kopfschütteln abringen sollte. Ihm inhaltliche Bedeutung beimessen zu wollen, wäre geradezu töricht.

Aus der anfänglich umrissenen Schmach resultiert der Selbstmord eines türkischen Soldaten. In einem Brief an Polat Alemdar (Necati Sasmaz) beschreibt er das Motiv seiner Tat. Alemdar, der als heldenhafter Sympathieträger bereits durch die populäre TV-Reihe „Tal der Wölfe“ führte, bricht unverrichteter Dinge in den Irak auf, um die Hintergründe zu klären. Dabei gerät er rasch in die Quere des territorialen Befehlshabers Sam William Marshall („Titanic“-Star Billy Zane), der mit dem dubiosen „Doktor“ (Gary Busey, „Soldier“) die Organe der Zivilbevölkerung in den Westen verhökert.

Das Problem der politischen Heuchelei ist nicht der schwelende Rassismus. Im amerikanischen Kino war er es nie. Weshalb sollte er es gerade in diesem Fall sein? Das größte Manko ist die offenkundige Banalität des lose verklebten Inhalts. Er eignet sich weder als differenziert kritischer Argumentationsgrundstock, noch als ernstzunehmender Stellungsbezug. Das fängt bereits bei der Verkörperung des Feindbildes an. Die amerikanischen Streitkräfte sehen aus wie türkische Bodybuilder – und werden in der Hauptsache wohl auch von solchen gespielt. Dem alten Rambo-Stereotyp entsprechend winken sie mit großkalibrigem Kriegsgerät und setzen alles daran, sich möglichst martialisch vom bescheiden wirkenden Bild des Islam abzuheben.

Über eine schlüssige Handlungsfolge verfügt der Film nicht. Zwischen den Versuchen Alemdars, dem durchtriebenen Marshall das Handwerk zu legen, entnimmt der Doktor in eifriger Menschenverachtung Organe, ein amerikanischer Soldat ballert Löcher in einen Deportationscontainer. Willkürliche Tötungen, gern untermalt von platzenden Schädeln in Großaufnahme, sind an er Tagesordnung. Zumindest von Seiten der Amerikaner. Die islamischen Führer hingegen sind der Pol der Vernunft. Von Selbstmordattentaten wird dringlichst abgeraten „Tal der Wölfe – Irak“ ist ein wütender Film. Aber wie so oft sind die Argumente in der Hitze der Agonie fadenscheinig.

Wertung: (3 / 10)

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