Taking Back Sunday – Where You Want to Be (2004, Victory Records)

tbcwhereyouwanttobeEines der in diesem Jahr am sehnlichsten herbei gewünschten Alben dürfte ohne Frage das neue Werk der Emo-Rock-Formation TAKING BACK SUNDAY sein, die mit ihrem Debüt „Tell All Your Friends“ für so etwas wie einen kleinen Klassiker sorgen konnten. Ein wenig abseits des normalen „Singen-Schreien“-Einheitsbreis besticht ihr Erstling noch immer durch unglaubliche Melodien, dem perfekten Zusammenspiel der Sänger und mehr als einer Handvoll mitreißender Songs, die auch nach Jahren noch nichts von ihrer Intensität verloren haben. Nach der Veröffentlichung des erfolgreichen Erstlings gab es viele Gerüchte, Trennungen und Auflösungserscheinungen, doch entgegen aller Erwartungen brach die Band nicht auseinander und veröffentlicht nun via Victory Records ihr zweites Meisterstück „Where You Want to Be“.

Was ich davon erwarten sollte, wusste ich selbst noch nicht als das gute Stück bei mir zu Hause einflog, schließlich will der Weggang von zwei Bandmitgliedern erst einmal verdaut und die zwei neuen eingearbeitet werden. Die erste Demo-Version von „A Decade Under the Influence“ der diesjährigen „Warped Tour“-Compilation war dann auch zu Beginn eher durchwachsender Natur, die jedoch mit der Zeit tierisch nachlegen konnte. Und genau so verhält es sich auch mit dem Gesamtwerk, das dem Sprichwort „Gut Ding will Weile haben“ mehr als gerecht wird. Was mir zu Beginn fehlte war so ein Hit, der direkt für klare Verhältnisse und für einen vollen Ausschlag auf der Richterskala sorgt. Solch ein Teil war „Cute without the E“. Zu Beginn stand ich dem Ergebnis noch ein wenig skeptisch gegenüber, doch der neue Streich von TAKING BACK SUNDAY wächst ungemein und kann seine ganze Vielfalt, seine ganze Klasse und Reife erst nach einigen Durchläufen entfalten.

„Where You Want to Be“ ist poppiger geworden, abwechslungsreicher, wenn auch der typische Stil der Band nicht wirklich abhanden gekommen ist. Dominant ist immer noch das Wechselspiel zwischen klarem und rauerem Gesang sowie Schreien, welches sich auch diesmal wie ein roter Faden durch das Album zieht. Dies gelingt, gemessen am Debüt, mindestens gleichwertig, wenn nicht gar besser, denn die Songs sind ausgefeilter und wirken noch besser arrangiert. Die Melodien und Harmonien sind dabei einfach nur mitreißend wie eingängig und tendieren meist Richtung positiver Melancholie, die TAKING BACK SUNDAY bereits vor zwei Jahren ausgezeichnet hat. So sind Titel wie „Set Phasers to Stun“, „Bonus Mosh pt. II“ oder „I am Fred Astaire“ ganz große Songs, nicht minder erwähnt bleiben darf da auch der „Spiderman 2“-Beitrag „This Photograph I Proof“, der durch eine unendlich dichte Atmosphäre jedes noch so schwere Rockerherz durchdringen sollte.

Selbst das von Streichern und Akkustik-Gitarre begleitete „New American Classic“ entpuppt sich als absolutes Highlight, Stücke derart haben es als „Außenseiter“ meist ein wenig schwerer inmitten rockiger Songs, doch auch dies meistern TAKING BACK SUNDAY eindrucksvoll. Der ganz große Wurf könnte gelingen, denn „Where You Want to Be“ hat alles, was ein ganz großes Album braucht. Keine Verschleißerscheinungen, dazu stetig wachsende Begeisterung und im Endeffekt nichts als Hits, die sich jeder noch so kleinen Stimmungsschwankung anpassen wollen.

Wertung: (9 / 10)

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