Take Shelter (USA 2011)

takeshelterEin Sturm zieht auf. Dicke, ölige Tropfen regnen vom Himmel, während sich Wirbelstürme aus einer unheimlichen Wolkenfront gen Boden schrauben. Für Bauarbeiter Curtis (Michael Shannon, „Boardwalk Empire“) ein wiederkehrender Alptraum, aus dem er schweißgetränkt erwacht. Aber sind es wirklich Träume, oder doch Vorboten der Apokalypse? Der Familienvater zweifelt. Schließlich sitzt seine Mutter in der Psychiatrie, seit er zehn ist. Curtis versucht Normalität zu wahren und sucht Hilfe. Doch die Angst bleibt. Und mit ihr der Drang etwas zu unternehmen.

„Take Shelter“ ist ein beeindruckender Film. Insbesondere der Leistung von Hauptdarsteller Shannon wegen. Der hat sich als Nebendarsteller (u.a. in „Zeiten des Aufruhrs“) einen Namen gemacht. Abonniert bleibt er auf abgründige Rollen, in denen er psychisch geplagte Existenzen spielt. Im zweiten Werk von „Shotgun Stories“-Regisseur Jeff Nichols ist das nicht anders. Aber das vielschichtige Mystery-Drama hat ein Problem mit der Länge. Nichols ergeht sich bei den Andeutungen dessen, was ist oder vor allem sein könnte, in Redundanz und dehnt manche Schlüsselszene so sehr, dass die Spannung leidet.

Die resultiert vorrangig aus der Frage, ob es dem Vater einer gehörlosen Tochter gelingt bei Verstand zu bleiben. Gattin Samantha (Jessica Chastain, „The Help“) sperrt Curtis aus und vergräbt sich. Buchstäblich, im Grund des Gartens. Dort baut er einen im Boden eingelassenen Schutzraum zur Zuflucht vor Unwettern zum Bunker aus. Das belastet nicht nur die Familie und allen voran ihren ohnehin überschaubaren Finanzrahmen, sondern auch das gesellschaftliche Umfeld. Curtis scheint kaum mehr imstande, seinen Job auszufüllen. Denn die Visionen von widernatürlichen Vogelformationen und unheimlichen Geräuschen nehmen an Intensität zu.

All das erzählt Nichols als intensive Charakterstudie mit Blick auf die Ängste der Gegenwart. Furcht vor der ungewissen Zukunft und stete finanzielle Unsicherheit prägen die Menschheit in Zeiten der globalen Finanzkrise maßgeblich. Die stark getricksten Bilder des (drohenden) Untergangs machen das düstere Stimmungsbild komplett. Wäre es nicht um die Längen, der Film würde deutlich stärker (nach-)wirken. So bleibt es bei einem ungewöhnlichen, erstklassig besetzten (u.a. mit Shannons „Boardwalk Empire“-Kollegen Shea Whigham), hervorragend gespielten sowie angenehm zurückhaltenden Drama, dessen hinausgezögertes Ende fast wie eine Erlösung erscheint. Auf die eine oder andere Weise.

Wertung: (7 / 10)

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