Tage des Ruhms (F/B/DZ/MA 2006)

tagedesruhmsDas Oscar-nominierte Kriegs-Drama „Tage des Ruhms“ widmet sich den vergessenen Männern aus Frankreichs nordafrikanischen Kolonien, die während des zweiten Weltkriegs zur Rückeroberung eines ihnen fremden „Vaterlandes“ nach Europa geschickt wurden. Dabei ist Rachid Boucharebs („Little Senegal“) Film nur am Rande die Erinnerung an eine historische Fußnote. Primär ist die bewegende Geschichte ein Mahnmal gegen nationale Übervorteilung und Rassismus, das pompösen Schlachtgemälden nach Vorgabe Hollywoods konsequent ausweicht.

Gekämpft und gestorben wird natürlich auch unter Bouchareb. Doch inszeniert er die Gefechtssituationen bewusst nüchtern und verzichtet auf abschreckende Gräuel und explizite Gewalt. Überhaupt nehmen Kampfhandlungen eine eher untergeordnete Rolle ein. Die Verwerflichkeit des Krieges zeigt sich mehr über die vorgestellten Soldaten, denen aufgrund ihrer afrikanischen und arabischen Herkunft mit Argwohn begegnet wird. In den Augen ihrer französischen Waffenbrüder sind sie Wilde, Muselmanen, denen der Kampf für die große Nation im Herzen Europas doch wie ein Privileg erscheinen müsste.

Die Realität ist eine andere. Der Trupp um Said (Jamel Debbouze, „Die fabelhafte Welt der Amélie“), Messaoud (Roschdy Zem, „36 – Tödliche Rivalen“), Abdelkader (Sami Bouajila, „Das tödliche Wespennest“) und Yassir (Co-Produzent Samy Naceri, „Taxi 1-4“) wird konstant benachteiligt. Sei es bei der Nahrungsausgabe, beim Fronturlaub oder bei Beförderungen. Ihre Schicksale tragen die Handlung, die sich erst beim finalen Gefecht mit Deutschen Soldaten im Elsass eine Steigerung des Tempos unter konventioneller Spannungserzeugung herausnimmt. Pathos und Heldenverehrung, wie es der Deutsche Titel vermuten ließe, bleiben aber auch dabei ausgespart.

In seiner Narration sprunghaft, wird der rote Faden allein von den Protagonisten und ihren Problemen gewoben. Diese scheinen vom Verlust der Liebe in der Heimat über den Tod der Kameraden bis zur abschließenden Sequenz des Überlebenden auf dem Soldatenfriedhof nur hinreichend bekannte Momentaufnahmen des (gerade in Amerika) traditionsreichen Kriegsfilms abzubilden. Die Intention schmälern diese nie ins klischeehafte abdriftenden Episoden jedoch nicht. Dezent gespielt und wuchtig fotografiert, gedenkt der Film den französischen Truppen ohne französische Wurzeln und kritisiert den Umgang mit ihnen noch über den Dienst an der Waffe hinaus. Einen gerechten Krieg, so viel steht fest, wird es nie geben.

Wertung: (8 / 10)

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