Stung (D/USA 2015)

stungEiner der Hauptkritikpunkte am deutschen Film ist, dass er kaum Genre-Produktionen zulässt. Action und Horror stoßen bei den Förderungsanstalten der Länder zumeist auf wenig Gegenliebe. Da muss schon ein Til Schweiger kommen, dessen seifiger Tarantino-Nachbau „Schutzengel“ selbstverständlich von den Förderkassen profitierte. Eine Tier-Horror-Comedy wie „Stung“ hat dagegen einen deutlich schwereren Stand. Gedreht wurde der launige Streifen trotzdem, mit Unterstützung der deutschen Produktionsfirma Rat Pack („Fack ju Göhte“) sowie der amerikanischen Filmschmiede IFC Midnight („The Babadook“). Um die rund 2,5 Millionen Dollar Budget sicher wieder einzufahren, wurde mit internationalem Cast auf Englisch gedreht. Neu ist diese Strategie nicht (siehe „Virus Undead“). Schule machen könnte sie perspektivisch dennoch.

Die alte Mrs. Perch (Eve Slatner) lädt auf ihrem Landsitz – das amerikanische Hinterland wurde aus Kostengründen nach Brandenburg verlegt – zu einer Gartenparty. Für das leibliche Wohl der Gäste soll die junge Catering-Unternehmerin Julia (Jessica Cook) sorgen, die mit ihrem Angestellten, dem geschwätzigen und leicht chaotischen Paul (Matt O’Leary, „Mother’s Day“), im klapprigen Kleinbus in die abgelegene Gegend gelangt. Nur treiben dort mutierte Wespen ihr Unwesen, die lebende Wirte für die massenhafte Vermehrung ihrer Art benötigen. Die Festgemeinschaft kommt da gerade gelegen – und wird nach einigermaßen zügig abgehandelter Einleitung ohne Vorwarnung aufgemischt. Und weil der effektvoll aus menschlichen Leibern platzende Insektennachwuchs über die Größe des Wirtskörpers verfügt, wimmelt die Szenerie bald von überdimensionierten Killerwespen.

Mit ein paar Überlebenden, darunter der trinkfreudige Bürgermeister Caruthers (zwischen „Terminator“ und „Piranha 2 – Fliegende Killer“ seit jeher in sämtlichen Qualitätsniveaus heimisch: Lance Henriksen) und Perchs Sohn Sydney (Clifton Collins Jr., „Parker“), verschanzen sich Julia und Paul im herrschaftlichen Haus. Da sie dort aber nicht die zweifelsfrei angebrachte Paranoia im „Das Ding aus einer anderen Welt“-Stil plagt, sehen sie sich bald auch in der Zuflucht von den geflügelten Monstren bedroht. Dabei setzen die Debütanten Benni Diez (Regie) und Adam Aresty (Drehbuch) neben einem stilsicheren Mix aus CGI und handgemachten Tricks auf sympathische Hauptdarsteller und ironische Dialoge. Gesehen hat man das zweifelsfrei dutzendfach. Nur rüttelt das nicht an der gestandenen Kurzweil dieses munteren und mit makabrem Fun-Splatter aufgeladenen Nachbaus.

Die passende Begründung für die Mutationen hält übrigens der introvertierte Sydney parat, der aus dem väterlichen Pharmazie-Nachlass Wachstumshormone mit Pflanzendünger mischte, um den Garten auf Vordermann zu bringen. Quasi als Belohnung wächst ihm dafür ein Wespenkopf aus der Schulter. Und wenn Lance Henriksen schon mit von der Partie ist, dürfen Anleihen bei „Aliens“ nicht fehlen. Die beschränken sich allerdings auf die Konfrontation zwischen Julia und Wespenkönigin im schön schummrigen Nest der Brut unter dem Dach. Den Rest können sich Kenner der Materie an zwei Fingern abzählen. Doch selbst wenn „Black Sheep“ schrulliger, „Infestation“ witziger und „Zombeavers“ überdrehter daherkam, vor der internationalen Konkurrenz verstecken muss sich „Stung“ definitiv nicht.

Wertung: (6 / 10)

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