Strike Anywhere – Iron Front (2009, Bridge Nine Records)

strike-anywhere-iron-frontFür viele Bands war die Regierung Bush ein willkommener Anlass, um durch politisches Widerstandsgebaren in bedeutungsschwangeren Posen zu schwelgen. Musikalische Gegenkultur verkauft Platten, das hat neben etablierten Phrasenschwingern aus dem Untergrund auch der Mainstream verstanden. Als sich nach zwei Legislaturperioden der Abgang des (letztlich) verhassten Präsidenten ankündigte, verstummte das Gros der aufrührerischen Stimmen wieder. Fortan ward die Auflehnung im Theorem von Bandphilosophien und Songtexten wieder an denen, die sich nicht zwanghaft am mächtigsten Suppenkasper der freien Welt hochziehen mussten, um eine Message zu verbreiten.

Eine der beständigsten Combos des politischen Punk-Segments sellen STRIKE ANYWHERE. Für sie mag die Ära Bush jun. eine Popularitätssteigerung bedeutet haben, als Vorkämpfer der „PunkVoter“-Bewegung wäre ihnen die vorzeitige Abwahl des Präsidenten aber sicher lieber gewesen. Zumal der in dieser Phase vollzogene Wechsel zu Fat Wreck ein nicht nur positives Echo provozierte. Die dort vertriebene dritte Platte „Dead FM“ zeigte den Wandel hin zu gemäßigterem Tempo und melodisch verziertem Pop-Appeal, was gerade eingefleischte Fans verprellte. Nun könnte man annehmen, dass dieser gemächliche Tenor in einer Phase des zögerlichen Aufschwungs, in der Bush-Nachfolger Barack Obama gar mit dem Friedens-Nobelpreis geehrt wird, neuerliche Früchte trüge. Doch weit gefehlt. 

Die Mannen um den quirligen Wirbelwind Thomas Barnett zeigen nach dem Wechsel zu Bridge 9 allen Zweiflern, wie politisch motivierter Hardcore-Punk klingen muss. Auf „Iron Front“ wird wieder bevorzugt geschrien und hohes Tempo gegangen, was, von „Failed State“, „Spectacular“ oder „Postcards From Home“ im jederzeit mitreißenden Miteinander von Melodie und Härte eindrucksvoll unterstrichen, aber weder ruhige Momente noch üppiges Singalong-Potential aussperren muss. Neu – und leider auch nicht so frisch wie das überragende Debüt „Change is a Sound“ – ist das alles nicht. Aber es kracht, fesselt und lässt die Faust wie automatisch gen Himmel streben. Großartiger Polit-Punk wird eben nicht von der Unfähigkeit eines Staatsoberhauptes determiniert. 

Wertung: (8 / 10)

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