Straylight Run – Prepare to be Wrong (2005, Victory Records)

straylight-run-prepare-to-be-wrongFür die Verhältnisse von Victory Records ist der bewegungslose Indie-Pop von STRAYLIGHT RUN eine echte Ausnahmeerscheinung. Vor knapp einem Jahr veröffentlichte die Band um den ehemaligen TAKING BACK SUNDAY-Hintergrundvokalisten John Nolan ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Mit „Prepare to be Wrong“ folgt nun eine EP, die den Status der unaufdringlichen Combo untermauern soll. Das gelingt, wenn auch unter größerer Reibung als zu erwarten wäre. Denn passagenweise fahren STRAYLIGHT RUN das Tempo bis zum Stillstand herunter.

Der minimalistische Opener „I Don’t Want This Anymore“, der einen träumerischen Alleingang von Johns Schwester Michelle Nolan markiert, funktioniert nur mit Orgel und säuselndem Gesang. Doch bereits beim folgenden „It Never Gets Easier“ blitzt es wieder auf, das Hitpotential von STRAYLIGHT RUN. Fein werden Elemente des Brit-Pop in die bittersüßen Melodien geflochten und ein Refrain von bestechender Güte daran geknüpft. Bis zum abschließenden Bob Dylan-Cover „With God on Our Side“ kehrt darauf wieder bedingungslose Ruhe ein. „Prepare to be Wrong“ verzichtet gänzlich auf anbiedernde Ausbrüche und hält der Kerzenscheinatmosphäre des Vorgängers die Treue.

Als Zugabe gibt es noch drei Songs des erfolgreichen Debütalbums zu hören. „Existentialism On a Prom Night“, der wohl bislang bekanntesten Nummer des Gespanns, folgt mit „The Tension and the Terror“ dessen eingängigste. Den gemütlichen Abschluss macht „Your Name Here (Sunrise Highway)“. STRAYLIGHT RUN spielen in der ersten Liga des Indie-Pop ganz vorne mit. „Prepare to be Wrong“ knüpft nahtlos an den Erstling an, gibt sich dabei allerdings noch schlichter. Im Gegenzug experimentiert das Quartett mit verzerrten Gitarren und verhaltenen Drums im Industrial-Stil. Der Emo-Core-Fraktion wird das kaum behagen, Freunden von LAST DAYS OF APRIL oder SCHTIMM dafür umso mehr. Für die nötige Melancholie ist gesorgt, der Herbst kann also ruhigen Gewissens über uns kommen.

Wertung: (7 / 10)

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