Stevie Tombstone – Greenwood (2013, Cloverdale Music)

stevietombstonegreenwoodAm Anfang steht der vielzitierte Mann mit der Gitarre. Der hört auf den Namen Stevie Tombstone, was befremdliche Assoziationen an ewig gestrige Klampfenkaiser in knietiefer Midlife-Crisis wecken kann, die mit Lederjacke selbstmitleidig im schummrigen Halbdunkel ihr Schicksal besingen. Aber solche Zweifel sind unbegründet. Denn der Vollblutmusiker präsentiert mit „Greenwood“, seiner sechsten Solo-Platte, eine Americana-Perle von bestechender Klarheit. Selbstreferenziell geht es zwar durchweg zu, dabei aber nie verklärend oder weinerlich, sondern mit einer schonungslosen Offenheit, die gesteigerte innere Ruhe beweist.

Dem großartigen Auftakt „Lucky“ – mit lässigen Textzeilen wie „I know you’re my rock, but I rolled you uphill“ bestückt – folgen zehn Blues-beeinflusste Nummern. Punktiert unterstützt wird Stevie Tombstone dabei von Tamburin, Harmonika, Bass oder Stromgitarre. Bei „Goodnight Irene“ auch von weiblicher Begleitung am Mikro. Die Wirkung resultiert aber insbesondere aus seiner gegerbten Stimme, die von reichhaltigem Erfahrungsschatz inklusive sämtlicher Enttäuschungen kündet, die das Leben in seinem Laufe so bereithält. Verbitterung ist auf „Greenwood“ jedoch nicht zu spüren. Die Scheibe bleibt nach vorn gewandt, bisweilen ein wenig trotzig und doch mit unterschwelligem Augenzwinkern. Eine herrlich unangepasste Akustik-Perle.

Wertung: (8,5 / 10)

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