Steven Seagal – Songs From the Crystal Cave (2005, Warner)

stevenseagalsongscrystalcaveEs ist keine Seltenheit, dass Musiker den Schritt von der Bühne auf die Kinoleinwand vollziehen. Aber wie sieht der umgekehrte Weg aus, wenn Schauspieler den Schritt in die Musikwelt wagen? Juliette Lewis („Natural Born Killers“) machte mit ihrer Begleitband THE LICKS kürzlich deutlich, dass der künstlerische Tapetenwechsel funktionieren kann. Weitgehend gescheiterte Versuche muss man hingegen Russell Crowe („Gladiator“) – der als Russ Le Roq gern so sein wollte wie Marlon Brando – und Keanu Reeves („Matrix“) attestieren, der mit seiner Band DOGSTAR gleichsam mehr Spott als Ruhm erntete.

Nicht weniger lässt auch Steven Seagals („Alarmstufe: Rot“) Griff zur Gitarre vermuten. Dieser hatte sich bereits im Film „Fire Down Below“ (1997) abgezeichnet und für dezente Verwunderung gesorgt. Wieso sollte der Action-Star künftig Saiten zupfen statt Knochen brechen? Umso verwunderlicher erscheint aber, dass der zu allmählicher Leibesfülle neigende Anti-Mime auf seinem Debütalbum „Songs From The Crystal Cave“ verborgene Talente offenbart. Im Bezug auf seine jüngst ärmlichen Leistungen als Darsteller ein offenkundig mehr als willkommener Ausgleich.

Dabei wäre es denkbar simpel Steven Seagals Bemühungen als Musiker mit einem spöttischen Lächeln abzustrafen. Sicher, der größte Singer/Songwriter des Universums ist er ebenso wenig, wie ein ernstzunehmender Charakterdarsteller. Trotzdem holt der alternde Martial-Arts-Experte auf „Songs From The Crystal Cave“ zur inspirierten Reise durch ferne Kontinente aus. Er verbindet Pop mit Blues und Folk, Reggae mit Folklore und Weltmusik. Zahlreiche Gastmusiker begleiten Seagal bei dieser instrumentierten Selbstfindung. Die sei ihm uneingeschränkt gegönnt, ohne die Mitwirkung der vielseitigen Weggefährten gestalteten sich seine Bemühungen jedoch nur halb so überzeugend.

Die Gitarre beherrscht Steven Seagal mit erstaunlicher Souveränität. Sein spröder Gesang kann dagegen nur verblassen. Zudem muss ihm attestiert werden, dass er textlich enorm dick aufträgt. Wenn es in „Don´t You Cry” heißt, „Would you feel the same, if I was invisible“, oder in „Music” dergleichen „Music is the language of the people, music is the language of the highest”, hofiert „Songs From The Crystal Cave” ersprießliche Momente unfreiwilliger Erheiterung. Dennoch gebührt dem verschmähten Akteur Respekt für seine emotionale Öffnung. Viel bringen wird es ihm vermutlich nichts, dürfte die Zielgruppe seiner Filme doch herzlich wenig mit solch sanften Tönen anzufangen wissen.

Wertung: (5 / 10)

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