Stargate (USA 1994)

stargate-1994Die vergangenen Hochkulturen geben Rätsel auf und beflügeln, egal ob Maya, Azteken oder alte Ägypter, die Fantasie von Pseudo-Wissenschaftlern und Hobby-Archäologen. Wenn es um Erklärungsversuche der beeindruckenden, ob ihrer Komplexität mystisch verklärten Bauwerke jener Völker geht, wird gern über die Beteiligung von Außerirdischen spekuliert. Diese „Ancient Aliens“ sollen einen aktiven Beitrag zur kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung der geheimnisvollen Reiche geleistet und ihnen entscheidende Vorteile verschafft haben. Mit „Stargate“ leistete Roland Emmerich („Independence Day“) 1994 seinen Anteil zur Diskussion – und empfahl sich in Hollywood für höhere Aufgaben.

Nach seinem US-Einstand, dem simplen Actionfilm „Universal Soldier“ (1992), bewies er sicheres Gespür für märchenhaft angehauchte Science-Fiction mit ausreichend Ideen und Schauwerten für Teenager und Erwachsene. Das Drehbuch schrieb Emmerich mit seinem bewährten Partner Dean Devlin („Godzilla“), der auch produzierte. Mit dem titelgebenden Sternentor etablierten sie überdies einen Transportweg, der (bislang) drei nachfolgenden TV-Serien (u.a. mit „MacGyver“ Richard Dean Anderson) einen ausreichend großen Ereignishorizont spendierte. Der findet seinen Ursprung im Jahr 1928. Bei Ausgrabungen in Gizeh werden ein mit Hieroglyphen versehener Steinkreis und ein gewaltiger Metallkranz entdeckt. Entschlüsselt wird deren Funktion jedoch erst in der Gegenwart, durch den spleenigen Wissenschaftler Daniel Jackson (James Spader, „Crash“).

Er soll bei der Enträtselung des „Stargate“ helfen und bewirkt praktisch im Handstreich den Durchbruch. Wie sich zeigt, dient das Tor nach erfolgter Aktivierung als Schnellverbindung zwischen galaktischen Welten. Ein Erkundungstrupp, zu dem neben Jackson eine Gruppe Soldaten – u.a. John Diehl („Jurassic Park III“) und French Stewart („Hinterm Mond gleich links“) – zählt, soll das Portal durchschreiten. Deren Anführer ist der grimmige, mit feschem Bürstenhaarschnitt versehene Colonel O’Neill (Kurt Russell, „Tango & Cash“), den seit dem tragischen Tod des Sohnes der Lebensmut verlassen hat. Nach einer Achterbahnfahrt durch Raum und Zeit findet sich die Gruppe in einer Pyramide auf einem Wüstenstern wider, was unverzüglich die Frage nach der Wiege der Menschheit aufwirft.

Durch fehlende Symbole am dort befindlichen Sternentor erweist sich die Rückkehr jedoch als problematisch. Bei der Erkundung der fremden Umgebung stoßen sie bald auf eine menschliche Siedlung, die von Sklaven des gottgleichen Ra (Jaye Davidson, „The Crying Game“) bewohnt wird. Der, ein Alien, das sich in grauer Vorzeit in einem menschlichen Körper eingenistet hat, führt sich samt Kriegergefolge (u.a. Djimon Hounsou, „Gladiator“) in altägyptischer Erscheinung (den Unterschied machen Strahlenwaffen und futuristische Helme) auf wie ein Tyrann. Da erscheint nur logisch, dass die gestrandeten Erdlinge dem Despoten die Stirn bieten und die geknechteten Arbeiter zum Aufstand anspornen. Dabei schwingt sich Bücherwurm Jackson zum unfreiwilligen Helden auf und erobert das Herz der reizenden Sha‘uri (Mili Avital, „Hatufim“), während O’Neill mit den Folgen hadert, eine Atombombe mit auf die Reise genommen zu haben.

Kintopp-Märchenonkel Roland Emmerich präsentiert ein kurzweiliges und stark gemachtes Science-Fiction-Abenteuer, das wenig Sinn für Logik beweist, im Gegenzug aber prächtig unterhält. Die durchaus clever mit Mythos und Historie spielende Geschichte wirkt naiv, wiegt kleinere Schwächen aber bereits durch die Qualität von Darstellern (u.a. Leon Rippy, „Arac Attack“), Kamera, Set-Design und Musik auf. Die Effekte überzeugen und offenbaren lediglich bei den Morphing-CGI, dass die Tricktechnik seit dieser Zeit einen schieren Quantensprung erfahren hat. Angestaubt ist „Stargate“ trotzdem nicht, was auch der zeitlosen Erzählung zuzusprechen ist. Der 2001 nachgereichte Director’s Cut bietet rund acht Minuten mehr Material, darunter einen Prolog, in dem 8.000 vor Christus eine Pyramide auf der Erde landet. Die Ergänzungen wirken durchaus sinnvoll und bieten durchaus Gelegenheit, den von Emmerich für eine Neuverfilmung vorgesehenen Blockbuster neuerlich zu entdecken.

Wertung: (7 / 10)

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