Star Trek: Into Darkness (USA 2013)

star-trek-into-darkness„Darkness is coming.“ – Khan

J.J. Abrams hat es geschafft. Über seine Verdienste um revolutionäre Fernsehunterhaltung („Lost“) mauserte sich der einst wenig bekannte Produzent und Autor („Forever Young“, „Joyride“) zu einem von Hollywoods größten Hoffnungsträgern. Dass dessen Qualitäten für die Mattscheibe allein nicht reichen, war schnell klar und so besorgte er nach „Mission: Impossible III“ die Wiederbelebung des Science-Fiction-Kults „Star Trek“. Das verblüffende dabei: Selbst skeptische Vollblut-„Trekkies“ begeisterte sein als alternative Realität angelegter Neuanfang, der zwar Figuren und Vorzeichen der alten Serie beibehielt, die Karten für folgende Entwicklungen aber völlig neu mischte.

Diese Freiheit spielte Abrams mit der Zerstörung von Spocks Heimatplaneten gleich großspurig aus. Entsprechend fußt auch der Nachfolger „Into Darkness“ auf einer Prämisse, die Bewährtes aufgreift und ohne die Erfordernis einschlägiger Vorkenntnisse eigenständig ordnet. Diese Neuerfindung richtet sich sowohl an die alten Fans als auch neue Publikumszweige, wobei der wiederholte Gastauftritt von Ur-Spock Leonard Nimoy als alternder Alternativ-Vulkanier aus der Zukunft den Brückenschlag probt. Dazu offenbaret sich gleich zum Auftakt der klassische Mix aus Abenteuer, Witz und fremden Welten, wenn die Beobachtungsmission von Enterprise-Kapitän James T. Kirk (Chris Pine) und seiner Crew auf einem von archaischer Alien-Kultur geprägten Planeten gründlich misslingt.

So wird der störrische Kirk seines Postens enthoben und durch seinen Mentor Pike (Bruce Greenwood) ersetzt. Als der jedoch bei einem Anschlag des rachsüchtigen Kunstmenschen Khan (TV-„Sherlock“ Benedict Cumberbatch) auf die militärische Elite der Sternenföderation stirbt, gelüstet es nicht allein Heißsporn Kirk nach Vergeltung. Auf Geheiß von Admiral Marcus („RoboCop“ Peter Weller) bricht er mit schwerer Raketenbewaffnung ins Gebiet der angriffslustigen Klingonen auf, um den flüchtigen Mörder zu stellen. Doch müssen Kirk und der ihm zunehmend vertrautere Weltraum-Klugscheißer Spock (Zachary Quinto) bald feststellen, dass die ganze Angelegenheit komplizierter ist, als ursprünglich dargestellt. Denn der übermenschliche Khan scheint nicht nur Täter, sondern selbst Opfer zu sein.

In sein Schicksal verstrickt ist vor allem Marcus, der der Enterprise in einem neuartigen Kriegsschiff nachstellt, das als Crew lediglich ein paar interstellare Muckibuden-Hünen bedarf. Der Plot um das manipulative Mastermind geriet im Kern ein wenig komplex, packt aber durch die Gegenüberstellung der Dank ihrer sympathischen Marotten liebgewonnenen Helden – u.a. Zoe Saldana als Uhura und Simon Pegg als kantiger Maschinist Scotty – sowie Cumberbatchs starker Schurkendarbietung. Wie bei Abrams üblich, werden emotionale Szenen ohne Sprache allein durch Musik hervorgehoben. Die fließenden Übergänge zwischen Momenten kindlichen Humors und dramaturgisch aufgeheizten Nervenkitzels gelingen dabei abermals so sehenswert wie tricktechnisch bombastisch.

Trotzdem schafft es „Into Darkness“ nicht vollends, die Luft nach oben, die der unverhofft großartige Vorgänger in Sachen epischer Tiefenwirkung noch übrig ließ, zu füllen. Denn neben mancher Ungereimtheit werden einige Schlüsselszenen, insbesondere bei der finalen Gegenüberstellung, derart abrupt abgehandelt, dass der Zusammenhang doch etwas dünnwandig ausfällt. Und da sich der Vorlage „Star Trek II“ entsprechend diesmal ein anderes Crewmitglied zum Wohle der Gemeinschaft gefühlsbetont breitgetreten opfern darf, entsteht eine gewisse erzählerische Unwucht. So ist Abrams insgesamt ein großer Blockbuster gelungen, der die eigenen Möglichkeiten jedoch nicht vollends auszuschöpfen versteht.

Wertung: (7,5 / 10)

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