Stagecoach – Rache um jeden Preis (CAN 2016)

Es gibt Filme, deren Qualitätslevel erschließt sich auf den ersten Blick. Der B-Western „Stagecoach“ – nicht zu verwechseln mit dem mehrfach verfilmten Klassiker gleichen Namens (deutscher Titel: „Höllenfahrt nach Santa Fé“, 1939) – ist so ein Beispiel. Dass er trotzdem (ein gewisses) Interesse erregt, liegt an den beteiligten Schauspielern, vorrangig Kim Coates („Sons of Anarchy“) und Judd Nelson („Breakfast Club“). Die Hauptrolle bekleidet allerdings Country-Star Trace Adkins („The Outsider“), dessen Filmographie in der Hauptsache ein Sammelbecken mäßiger Western markiert. 

Er spielt Nathaniel Reed, einen Postkutschenräuber mit moralischem Kern, der sich in Texas einen gefürchteten Ruf erarbeitet hat. Nach Jahren im Ruhestand, in denen er sich ein ehrbares Leben mit Lehrerin Laura Lee (Michelle Harrison, „The Flash“) aufgebaut hat, wird er jedoch von der kriminellen Vergangenheit eingeholt: Marshall Calhoun (Coates), dem Reed einst während eines Überfalls ein Auge ausschoss, sinnt auf Rache. Als bei deren angedachter Erfüllung die schwangere Laura Lee (mutmaßlich) getötet wird, kehrt der erschütterte Ex-Bandit unter dem Namen Texas Jack in die bewährte Profession zurück. Von seinem alten Credo, keine Unschuldigen zu töten, rückt er dabei nicht ab.

Begleitet wird er vom bewährten Gefährten Frank Bell (Claude Duhamel, „Valentine“) sowie dessen Partner Sid Dalton (spielt solide gegen das Vergessenwerden an: Nelson). Aber natürlich ist ihnen bald Calhoun auf den Fersen, begleitet von seiner schießwütigen Partnerin Bonnie Mudd (Helena Marie, „My Perfect Landing“). Nur ahnt der Marshall zunächst nicht, dass sich hinter Texas Jack der verhasste Reed verbirgt. Allein die Gegenüberstellung der Opponenten zeigt die simplen Bahnen auf, in denen sich Terry Miles‘ („Even Lambs Have Teeth“) 08/15-Western vollzieht. Dazu passt, dass Outlaw Reed als moralisch gefestigt figuriert wird, während Widersacher Calhoun auf eine Präsenz als skrupelloser Scheißkerl reduziert bleibt. 

In einem Rückblick gerät Bell in die Fänge Calhouns und bietet zur eigenen Rettung an, Texas Jack zum gesuchten Mörder zu machen. Dieser Pakt mit dem Teufel bringt die Geschichte auf eine vorhersehbare Zielgerade, in der sich Laura Lee (nach kaum erkennbaren Jahren) als quicklebendig erweisen darf. Frei von Unterhaltungswert bleibt „Stagecoach“ sicher nicht, dafür aber durchweg beliebig. Die dosierten Schusswechsel sind nicht sonderlich aufregend inszeniert, werden aber zumindest mit blutigen Einschüssen garniert. Das Highlight der in British Columbia gedrehten Zwei-Millionen-Dollar-Produktion ist der wonnige Coates, der im Gegensatz zum farblosen Adkins alles aus der eindimensionalen Rolle herausholt. Fraglos gibt es schlechtere Filme. Ein Pro-Argument für diesen ist das aber keineswegs.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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