Splice – Das Genexperiment (CDN/USA/F 2009)

spliceElsa Kast (Sarah Polley, „Dawn of the Dead“) und Clive Nicoli (Oscar-Preisträger Adrien Brody, „Der Pianist“) lieben sich nicht nur, sie arbeiten auch zusammen in der Forschungseinrichtung N.E.R.D. (natürlich ein Ulk, steht eigentlich für Nucleic Exchange Research & Development) an genetisch gekreuzten Tiermodellen. Sie versuchen auf diesem Wege, Eiweiße zu synthetisieren (echte Nerds verstehen das bestimmt!), die es der Pharmaindustrie ermöglichen, Mittel gegen Krebs, Parkinson und andere schlimme Krankheiten zu entwickeln. Als sich der herbeigesehnte Durchbruch einfach nicht erzielen lässt und die geldgebenden Konzernchefs das Ende der Versuche ankündigen, wagt Elsa das Unglaubliche. Dabei kreuzt sie (ihr) menschliches Erbgut mit dem verschiedener Tiere und erschafft eine Kreatur, die ihrem Aussehen nach zumindest in Japan ein Verkaufsschlager wäre.

Clive, der dem Experiment von Beginn an skeptisch gegenüber stand, hilft seiner Liebsten letzen Endes Dren, wie das Ding getauft wird, in ihre Obhut zu nehmen. In einer abgelegenen Scheune richten sie ihr ein Domizil ein, welches sie verständlicherweise nicht verlassen darf. Als Dren aber allzu schnell dem Kindesalter entweicht und ihre Sexualität zu entdecken beginnt, geschieht natürlich das Ungeheuerliche, mit dem wohl keiner der Beiden zu Beginn gerechnet hätte. Der Zuschauer hingegen schon. Vincenzo Natali, der Schöpfer von eigenwilligen Werken wie „Cube“ und „Nothing“, betritt in seinem neuen Werk fast klassische Wege. Der Mensch muss mal wieder Schöpfer spielen, um am Schluss natürlich teuer dafür bezahlen zu dürfen. Dass das eine dem anderen konsequenterweise folgen muss, haben uns schon Paul Wegeners „Der Golem und wie er in die Welt kam“ und natürlich etliche „Frankenstein“-Verfilmungen gezeigt. Das größte Vorbild für Natali dürfte aber sicherlich sein kanadischer Landsmann David Cronenberg gewesen sein, bei dem er nicht nur den Schluss seines Geniestreiches „The Fly“ kopiert.

Nichtsdestotrotz geht Natali seinen eigenen Weg, ohne es aber vermeiden zu können, sich selbst Stolpersteine vor die Füße zu schmeißen. So kann sich das Wissenschaftler-Paar nicht so recht entscheiden, was aus Dren eigentlich werden soll. Mal wollen sie den kleinen Peniskopf einschläfern, mal behandeln sie es liebevoll, als wäre es ihr eigener Sprössling. Nicht selten wird der Zuschauer damit vor die Wahl gestellt, sein anfängliches Mitgefühl für die überforderten Biologen zu überdenken und sie eventuell für ihre Blasphemie doch noch verurteilen zu wollen. Auch wenn man Sarah Polley und Adrien Brody die Performances der Gott Spielenden abnimmt – besonders dem dürren Brody, der sich nach Filmen wie „The Jacket“, und „Predators“ im fantastischen Genre anscheinend gut aufgehoben fühlt –, richtig fesselnd fallen sie nicht aus.

Die gebürtige Französin Delphine Chanéac, die dem Mischwesen Dren ihre Statur leiht, überzeugt hingegen in jeder Szene. Ob Zorn, Hemmung, Euphorie oder Trauer, sie füllt ihre Figur mit so viel Leben, dass eine Sil (aus „Species“) davon nur träumen könnte. Als wahrlich gelungen muss man die Arbeit der Kostümbildner bezeichnen, solch ausgefallene T-Shirt Motive gab es in einem Film schon lange nicht mehr! „Splice“ ist Natalis bisher zugängigstes Kammerspiel, der auch die rein Mainstream-schauende Publikumsschar ansprechen dürfte. Selbst wenn die immer groteskere Züge annehmende Dreiecksbeziehung der Protagonisten den einen oder anderen abstoßen könnte. Wobei in der „Twillight“-Saga ein menschliches Wesen auch fast Geschlechtsverkehr mit einem Werwolf hat und später ein Baby von einer Leiche bekommt. Schöne neue Welt.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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