Spider-Man 3 (USA 2007)

spider-man-3-2007Sam Raimi nimmt seine Charaktere ernst. Darum ist Spider-Man Peter Parker eine so viel komplexere Figur als andere Superhelden. Bei aller Übernatürlichkeit ist er ein Mensch geblieben, in dessen Problemhorizonte man sich hineinversetzen kann. Solche wie Existenzangst, die Suche nach dem Platz im Leben und – nicht zu vergessen – Liebeskummer. Peter ist gewachsen und mit ihm Schauspieler Tobey Maguire („Die Wonder Boys“), der sich mit zum Teil keine Peinlichkeit aussparender Wonne in sein drittes Leinwandabenteuer stürzt. Gerade deshalb gerät dies nicht zur bloßen Fortsetzung, sondern ist vielmehr eine Art fließende Ergänzung, ein weiteres Puzzleteil in der vielschichtigen Struktur der Serie.

Darauf legt Raimi Wert. Er will nicht nur ein Effektfeuerwerk, er will den Blockbuster mit Anspruch. Das gelingt auch im dritten Anlauf, obgleich die Kombination aus berauschender Unterhaltung und erzählerischer Dichte diesmal ein wenig ins Stocken gerät. Auf emotionaler Ebene ist „Spider-Man 3“ der bislang stärkste, in der Narration der insgesamt schwächste Part. Der Plot scheint überladen mit Konflikten, bis zum Bersten gefüllt mit Abgründen. Damit weiß der Regisseur zwar umzugehen, doch bleibt sein Film nicht vor dramaturgischen Flachheiten und unnötigem Pathos gefeit. Statt am Stück präsentiert er die Geschichte in Scheiben. Diese Episodenartigkeit lässt die Stringenz der Vorgänger vermissen.

Am Anfang erlebt der Zuschauer einen euphorischen Peter, der den zunehmenden Ruhm seines maskierten Alter Egos in vollen Zügen genießt. Im wahren Leben führt der intelligente Student noch immer das Schattendasein eines Außenseiters. Als Verbrechensbekämpfer fühlt er sich dazugehörig, was einen gewissen Egozentrismus nährt, der ihn mehr und mehr von seiner Geliebten Mary Jane (Kirsten Dunst, „Marie Antoinette“) entfremdet. Als eine mysteriöse schwarze Substanz von ihm Besitz ergreift, kehrt sie Peters dunkle Seite nach außen. Seine Taten werden kompromissloser, er selbst zorniger. Der Kampf mit dem eigenen Selbst ist die größte Herausforderung seiner Karriere als Superheld.

Aber natürlich lauern auch andere Gegner auf ihn: Sein ehemals bester Freund Harry (James Franco, „Flyboys“), der noch immer auf Rache für den Tod seines Vaters (Willem Dafoe), den Grünen Goblin, sinnt. Nach einem Zweikampf verliert Harry kurzzeitig das Gedächtnis, was Peter eine willkommene Verschnaufpause beschert. Während der aber droht Gefahr durch den Kleinkriminellen Flint Marko (Thomas Haden Church, „Sideways“), der sich nach einem schicksalhaften Unfall in einen unberechenbaren Sandmann verwandelt. Daneben muss er sich der Missgunst des Nebenbuhlers Eddie (Topher Grace, „Mona Lisas Lächeln“) erwehren, der ihm bei der Zeitung den Posten des Fotografen streitig machen will. Als auch der Konkurrent mit der schwarzen Substanz in Berührung kommt, steht dem Spinnenmann ein weiterer gefährlicher Opponent in den Straßen New Yorks gegenüber.

In der Summe ist das zu viel, um den überlangen Film konstant auf Kurs zu halten. Aber Raimi meistert die gröbsten Untiefen, weil er bei aller Dramatik auch den Humor nicht vergisst. Für den sorgt, neben B-Choryphäe Bruce Campbell („Bubba Ho-Tep“) als französischer (!) Oberkellner, abermals J.K. Simmons („Ladykillers“) in der Rolle des Verlegers Jameson. Die Mischung stimmt, die Umsetzung der wiederholt mit Bedacht eingesetzten Actionsequenzen sowieso. „Spider-Man 3“ ist trotz kleiner Mängel Hollywood-Kintopp der ersten Garde – und ein Effekt-Comic gehobener Klasse.

Wertung: (7 / 10)

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