Sommer Hunde Söhne (D 2004)

sommer-hunde-soehneDas Road-Movie birgt ungeahnte Möglichkeiten personeller Zusammenführung. Das bleibt auch dem Nachwuchs deutscher Filmemacher nicht verborgen, der sich der Schilderung jedweder zwischenmenschlicher Problemhorizonte verschrieben hat. In Cyril Tuschis Debütfilm „Sommer Hunde Söhne“ (oder auch „SommerHundeSöhne“) werden Fabian Busch („Der Untergang“) und Stipe Erceg („Die fetten Jahre sind vorbei“) zu unfreiwilligen Reisebegleitern auf einer turbulenten Odyssee von Berlin ins ferne Marokko.

Frank (Busch) ist ein in seiner Schüchternheit fast zurückgeblieben wirkendes Muttersöhnchen, Marc (Erceg) ein machohafter Kleinkrimineller. Die erste Begegnung auf dem Ikea-Parkplatz endet mit Blechschaden an Marcs Moped. Dabei wollte Frank nur das Wohnmobil der Eltern zurücksetzen. Ohne zu überlegen wird das Zweirad eingeladen, der Unfallverursacher auf den Beifahrersitz gescheucht und Gas gegeben. Denn Rüpel Marc ist auf der Flucht. Die Gelegenheit beim Schopfe packend, macht er sich samt seiner Geisel auf, den kranken Vater in Afrika aufzuspüren.

Die Zufälle des Lebens verwebt Regisseur Tuschi mit verspielt übersteigerten Figuren. Ihre Sehnsucht nach Freiheit ist der Antrieb, der sie den steinigen Weg bis zum Ende gemeinsam gehen lässt. Trotz aller zu überwindender Unterschiede. Umso bedauerlicher erscheint die Klischeesoße, mit der die Charaktere bestrichen sind. Weder das ungleiche Duo Frank und Marc, noch die später hinzustoßende Ilvy (Lilja Löffler, „Sonnenallee“), wirken in ihren grob konstruierten Persönlichkeiten glaubhaft. Die Charakterisierung erfolgt über spezifische Befindlichkeitsmuster, die den Mangel ausgeprägter sozialer Hintergründe nur bedingt überspielen können. Den guten Darstellern wird das kaum gerecht.

Über konstruierte Begebenheiten bahnt sich die wachsende Reisegruppe ihren Weg gen Marokko. Der teils groteske Anstrich dieser Episoden mag das Bestreben des Films untermauern, träumerische Gefühlswelten erschaffen zu wollen. Was fehlt sind Wesenszüge, die zur Identifikation einladen. Dass Frank durch die Impulsivität seines Entführers die Augen für Abenteuer jenseits von Mutters Rockzipfel öffnet, ist erfreulich, macht die Dramaturgie aber nicht weniger vorhersehbar. „Sommer Hunde Söhne“ überzeugt durch Bilder von fremdartiger Schönheit, die Fernweh wecken und eine fast magische Aura erzeugen. Die Schwächen des Drehbuchs lassen sich damit nur ebenso wenig überspielen wie die teils offensichtlichen Anschlussfehler.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

 

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