Soldier (USA/GB 1998)

soldierrussellSeine Vision einer „Brave New World“ servierte Autor David Webb Peoples („Blade Runner“, „Twelve Monkeys“) mit dem Skript zu „Soldier”. Angelegt als kritische Utopie machte Regisseur Paul W. S. Anderson („Alien vs. Predator“) daraus eine zwiespältige Sammlung tumber Männerklischees, die dank visueller Reize, breit gestreuter Sci-Fi-Referenzen und straffer Inszenierung ausreichend zu unterhalten weiß. Das verschwenderische Budget von 75 Millionen Dollar wurde in Haudraufkonflikte nach bewährtem Muster gepumpt, die sich nicht selten an klassische Actionfilme der achtziger Jahre – solche wie „Terminator“ oder „Rambo 2“ – anlehnen.

Das 1996 initiierte Adam Projekt dient der Sondierung von Neugeborenen zum Zwecke militärischer Ausbildung. Unter der Führung eines totalitären Militärapparates werden die Emotionen der Probanden konsequent ausgeschaltet und an ihrer Statt absoluter Gehorsam gesetzt. Der Lebenszweck der herangezüchteten Soldaten ist der Dienst an der Waffe. Eine dieser gleichgeschalteten Marionetten ist Todd 346 (Kurt Russell, „Die Klapperschlange“). Nach mehr als 40 Jahren scheint die Zeit seiner Generation abgelaufen. Eine verbesserte Truppe steht zur Ablöse bereit. Nach einem Schaukampf mit Kane 607 (Jason Scott Lee, „Dragon – Die Bruce Lee Story“) wird der vermeintlich getötete Todd auf dem öden Müllplaneten Arcadia 234 entsorgt.

Dort trifft er auf eine Schar Ausgestoßener, die inmitten der unwirtlichen Umgebung eine neue Existenzgrundlage geschaffen haben. Zwar begegnen sie dem Fremdling mit Argwohn, heißen ihn aber dennoch in ihren Reihen willkommen. Bei Mace (Sean Pertwee, „Equilibrium“) und Sandra (Connie Nielsen, „Mission to Mars“) findet Todd Obdach und lernt zögerlich das Menschsein. Doch die Vergangenheit lässt ihn nicht los. Als Befehlshaber Mekum (Jason Isaacs, „Der Patriot“) die Weltraumsiedler beseitigen will, schickt er die zwar modifizierten, im direkten Kampfeinsatz jedoch ungeschulten Krieger. Und die stehen jahrzehntelanger Kriegserfahrung gegenüber, als Todd zum Gegenschlag ausholt.

Als Film ist „Soldier“ ein wandelnder Widerspruch, weil der Stallgeruch des B-Movies, getragen von etabliert zweitklassigen Darstellern wie Gary Busey („Alarmstufe: Rot“), vom bombastischen Budget erschlagen wird. Nachhaltig wirkt der kolossale Misserfolg – das US-Einspielergebnis belief sich auf weniger als ein Fünftel der Kosten – wie von langer Hand geplant. Allein Kurt Russell, trotz seines Status wahrlich kein Publikumsmagnet, strich eine Gage von 20 Millionen Dollar ein. Viel abverlangt wurde ihm dafür nur auf körperlicher Seite. Die Mimik bleibt der Rolle entsprechend stoisch, bisweilen gar hölzern, was die insgesamt von ihm gesprochenen 104 Worte nicht eben mit Tiefgang schmücken.

Das fragwürdige Moralstück verbindet Sci-Fi- mit Western-Elementen und bedient von „Mein großer Freund Shane“ bis „Chatos Land“, mit dessen Hauptdarsteller Russell auch die Sprachlosigkeit teilt, einschlägige Klassiker. Der längste Satz des traurigen Helden lautet „I´m going to kill them all, Sir“. Kein Wunder also, dass die Sprache der Waffen die überzeugendere ist. Im Schlussdrittel schaltet Todd auf Dauerfeuer und entledigt sich seiner Gegner mit angebrachter Grobheit. Während der zwar harte, insgesamt aber doch eher moderat blutige Film rund um den Globus in seiner ursprünglichen Version zu sehen ist, kam der deutsche Markt in den Genuss einer „Exklusiv-Fassung“, der aufgrund diverser Gewaltkürzungen rund eine Minute Material abhanden gekommen ist. Ein Filmwerk mit fettem Budget und magerer Ausbeute.

Wertung: (5 / 10)

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