Snow White & the Huntsman (USA 2012)

snow-white-and-the-huntsman„Mirror mirror on the wall, who ist the fairest of them all?“ – Alter Spruch in neuen Kleidern: Ravenna

Die Gebrüder Grimm treffen auf die Ästhetik von Peter Jacksons Tolkien-Adaptionen: In „Snow White and the Huntsman“ kombiniert Werbe-Regisseur und Spielfilm-Debütant Rupert Sanders klassische Märchenmotive mit zeitgemäßer Fantasy-Action. Seine Version von Schneewittchen, der bösen Königin und den sieben Zwergen ist jugendgerechtes Blockbuster-Kino mit eigenem Kopf und hohem Actionanteil. Vom eigentlichen Film ab lenkte jedoch seine Affäre mit Hauptdarstellerin Kristen Stewart. Und ob der mimisch stets etwas statisch wirkende „Twilight“-Star nun unbedingt als die Schönste im ganzen Land prädestiniert scheint, bleibt zumindest diskutabel.

Insbesondere, wenn die durchtriebene und in schwarzer Magie bewanderte Stiefmutter Ravenna von Oscar-Preisträgerin Charlize Theron („Monster“) gespielt wird. Mit einem Trick gewinnt sie das Herz des verwitweten Königs und tötet ihn kurz nach der eiligen Eheschließung. Das Reich erfüllt sie fortan mit Zwietracht und Dunkelheit. Stieftochter Schneewittchen indes wird gefangen gehalten, kann unweit nach Vollendung des üppigen Prologs jedoch die Flucht in den tiefen Wald antreten. Unterdessen erfährt die finstere Regentin, dass das Aussaugen bedauernswerter Opfer zum Erhalt ihrer jugendliche Frische nicht länger ausreicht.

Der in Schönheitsfragen ach so oft konsultierte Spiegel nennt auf die Frage der Schönsten im ganzen Lande folglich nicht länger Ravennas Namen, sondern den von Schneewittchen. Somit ist die junge Thronerbin dem Tode geweiht, denn ihr Herz würde Ravenna Unsterblichkeit schenken. All das könnte man – vor allem ob Therons inbrünstiger Darbietung – als sarkastischen Kommentar auf den nicht allein in Hollywood stets grassierenden Jugendwahn begreifen. Doch Sanders Film will kaum mehr als unterhalten. Und so wird in Anbetracht der mangelnden Wirkung von Ravennas Macht im Wald der ortskundige Jäger Eric („Thor“ Chris Hemsworth) angeheuert, Schneewittchen aufzuspüren.

Doch der wehrhafte Krieger schlägt sich auf die Seite Schneewittchens und nimmt – wie auch ihr Kindheitsfreund William (Sam Claflin, „Die Säulen der Erde“) – den Kampf gegen die Königin auf. Mit dabei ist natürlich auch das kleinwüchsige Kollektiv, für dessen Darstellung teils auf Knien durch die Sets stapfende Mimen wie Toby Jones („Dame, König, As, Spion“), Ian McShane („Deadwood“), Bob Hoskins („Die Hollywood-Verschwörung“), Ray Winstone („The Departed“) und Nick Frost („Hot Fuzz“) gewonnen werden konnten. Nicht allein gemessen an ihnen bleiben Stewart und Hemsworth jedoch ein wenig blass.

Dennoch gefällt der Film ungeachtet bisweilen deutlicher visueller Anleihen bei „Herr der Ringe“ durch bestrebt dreckverkrusteten Look, gute Effekte und schmissige Action. Ob es für die moderne Aufbereitung des Grimm’schen Märchens aber wirklich einen der Prinzessin zugeneigten Troll gebraucht hätte, bleibt fraglich. Da insgesamt aber auf all zu viel Weichzeichner verzichtet wurde, darf sich nicht allein die anvisierte juvenile Zielgruppe adäquat unterhalten fühlen.

Wertung: (6 / 10)

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