Snapcase – Bright Flashes (2003, Victory Records)

snapcase-bright-flashesBelieve/Revolt…

Egal, ob man SNAPCASE nun mag oder nicht, der Status der fünfköpfigen Hardcore-Combo reicht kaum bestreitbar weit über den Tellerrand deren Heimat jenseits des großen Teiches hinaus. Dass der genreübergreifende Stilismus postmodernen Hardcores obendrein nachhaltig von SNAPCASE beeinflußt und geprägt wurde wie von kaum einer anderen Band dieses Schlages, rückt die Mannen um den prägnanten Frontschreihals Daryl Taberski nicht unverdient auf eine Stufe mit großartigen wie klangvollen Wegbereitern der Marschrichtung REFUSED. Und so begibt es sich, dass uns dieser Zusammenschluss begnadeter Musikkundiger in der Vorweihnachtszeit glatt die Nadeln vom Christbaum rockt, folgt in schmucker Gestalt des Albums „Bright Flashes” doch knapp eineinhalb Jahre nach „End Transmission” bereits der nächste Paukenschlag des nimmermüden Quintetts.

Doch ein Studioalbum im klassischen Gewand verkörpert die Scheibe nicht, handelt es sich doch vielmehr um eine erweiterte Komplettierung des stimmigen Vorgängers. Während nämlich knapp die Hälfte des guten Dutzend Tracks ausgesondertes, obgleich qualitativ in höchsten Sphären schwebendes Liedgut des „End Transmission”-Aufnahmeprozesses darstellen, bilden drei Remixe und vier Coverversionen ein mehr als adäquat ausstaffiertes Beiwerk. Dabei sticht augenscheinlich hervor, dass „Bright Flashes” aufgrund seines bunten Spektrums weniger konzeptionell und daraus resultierend breitgefächerter und größer, runder und schlicht besser erscheint. Frei von der Befangenheit, die Stücke in ein selbst auferlegtes Korsett schnüren zu müssen, entwickeln SNAPCASE auf diesen Pfaden hochgradig abwechslungsreiche Klangvielfacht, die Stücke eine angenehm atmosphärische Eigendynamik.

Musikalisch stechen gerade die Neuauflagen hervor, das begnadete „Freedom of Choice”, das DOVER-Cover „Gates of Steel”, der aus der Schmiede JANE’S ADDICTION entsprungene „Mountain Song” sowie „Blacktop” von HELMET. Dabei garniert die Band ihre Interpretationen durch merklich rockigere Untertöne, während auf der anderen Seite „Believe, Revolt”, „Ten A.M.” und „Exile Etiquette” durch die Hand anderer Künstler Veränderung erfahren durften. Wer sich an dieser Stelle die Bonus-CD des „Designs for Automotion”-Longplayers ins Gedächtnis ruft, der wird die elektronische Einwirkung auf das neue Gewand erwähnter Tracks eindeutig weissagen können. Doch gestalten auch diese, nicht durchweg überzeugenden Ausflüge in differente Gefilde expressionistischer Klangartistik schlicht die Fülle an Möglichkeiten, den Konsenz des Alltäglichen auf solcherlei Weise zu durchbrechen.

Auf dieser Ebene funktioniert „Bright Flashes” wahrlich formidabel und wird somit nicht nur die treue Anhängerschaft des progressiven Gespannes zu begeistern wissen. Über diesem Bollwerk kraftvollen Hardcores thront schließlich die erhabene Stimmgewalt Daryl Teberskis, die der straffen Struktur der Songs trotz aufkeimender Monotonie niemals im Wege steht. Die Bescherung beginnt in diesem Winter offenkundig bereits Anfang Dezember.

Wertung: (8,5 / 10)

 

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