Snake Eater 3 (CAN 1992)

„You punish the guilty. And that’s all we want.“ – Genügsam: Mutter Molison

Dass B-Action-Hallodri Lorenzo Lamas („Viper“) in einer Romanverfilmung mitgewirkt hat, muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Nun lässt sich natürlich trefflich darüber streiten, ob W. Glenn Duncans „Rafferty’s Rules“ als wichtiges literarisches Werk bezeichnet werden kann. Zumal die Eskapaden des titelspendenden Privatschnüfflers Rafferty in „Snake Eater 3“ Lamas‘ Ex-Elite-Soldat Jack „Soldier“ Kelly auf den Leib geschneidert wurden. Was das bedeutet, sollte vom Fleck weg klar sein: trashig angehauchte Action-Gülle. Die passende Kostprobe bietet – nach der unter Motorensound durchs Bild rasenden Titeleinblendung – der einleitende Überfall auf einen Imbiss, der vom zufällig vorbeikommenden Kelly per Münzwurf und Kopfschuss unterbunden wird.

Unbezahlbar ist dabei der Gesichtsausdruck des Mannes mit Trucker-Cap am Tresen. Er darf gleich zum Auftakt untermauern, dass Qualität bei Regisseur George Erschbamer („Fatal Reunion“) denkbar eigenwillig interpretiert wird. Bei den dürftigen Vorgängern sorgte das immerhin für (meist) unfreiwilliges Amüsement. Beim finalen Teil der Trilogie ist das nicht anders, nur suhlt sich die bewährte Selbstjustiz-Keule diesmal in fragwürdigem Zynismus. Verwundern sollte da kaum, dass in der alten deutschen Videofassung vor allem markig-reaktionäre Einzeiler herausgekürzt wurden. Ansonsten aber bleibt alles beim Alten. Will heißen, Darsteller und Dialoge sind eher ärmlich und Kelly wird vom Dienst suspendiert. Beschäftigungslosigkeit muss er jedoch nicht fürchten, dafür sorgen bereits die Eheleute Molison (Una Kay und Gordon Atkinson).

Weil die sich vom Rechtsstaat im Stich gelassen fühlen, soll Kelly die Peiniger ihrer Tochter Vivian (Tracey Hway) bestrafen. Die wurde von der Motorrad-Gang Hell‘s Fury verschleppt und über Monate vergewaltigt. Die zusätzliche Zufuhr von Drogen hat die junge Frau in ein Wrack verwandelt. Das kann Kelly natürlich nicht ungesühnt lassen. Also besorgt er sich eine Lizenz als Privatdetektiv (Ordnung muss sein!) und stellt den Bikern mit Kumpan Cowboy (Stuntman Minor Mustain, „Silent Trigger“) nach. Dabei treten sie zunächst dem brutalen Goose auf die Füße, in dessen Rolle der 2007 verstorbene Wrestler Scott „Bam Bam“ Bigelow eine wahrhaft denkwürdige Performance abliefert. Der Hüne mit der tätowierten Glatze grunzt seine Dialogzeilen lachhaft abgehackt und wirkt insgesamt so ungelenk, dass man ihn glatt für eine Figur aus der „Muppet Show“ halten könnte. Dagegen geht Lorenzo Lamas fast als heißer Oscar-Kandidat durch!

Auch „Snake Eater 3“, im Original mit dem reißerischen Untertitel „His Law“ versehen, bewegt sich haarscharf am Rande der Parodie. Die haltlose Übertreibung wird durch sporadisch menschenverachtende Züge aber immer wieder ausgehebelt, so dass der Streifen noch zwiespältiger daherkommt als die beiden Vorläufer. Für reichlich B-Action mit Sleaze-Touch ist zweifelsfrei gesorgt, wobei Kelly, wenn es der Sache dienlich erscheint, auch mal eine Frau aus dem Fenster einer Kneipe prügelt. Persönlich wird es, als durch die Biker auch Freundin Hildy (Tracey Cook) in Gefahr gerät. Also holen er und Cowboy zum Gegenschlag aus und machen mit den motorisierten Unholden kurzen Prozess. Das mag Schund- und Genre-Puristen milde stimmen, doch lässt George Erschbamer auch diesmal das richtige Gespür für Rhythmus und Tempo vermissen. Dass „Soldier“ Kelly nach diesem Einsatz in den Ruhestand geschickt wurde, sollte also keinen Anlass zur Trauer bieten.

Wertung: (3 / 10)

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