Silver Linings (USA 2012)

silver-linings„The world will break your heart ten ways to Sunday. That’s guaranteed. I can’t begin to explain that. Or the craziness inside myself and everyone else. But guess what? Sunday’s my favorite day again.“ – Auf der Suche nach dem Silberstreif: Pat

Pat Solitano ist ein getriebener Mann. Genau deshalb hat er die letzten acht Monate in einer Psychiatrie verbracht. Der Betrug durch die Gattin, eine Lehrerkollegin, hat ihn zermürbt. Zudem wurde ihm eine bipolare Störung attestiert, die sich in unkontrollierten Gefühlseruptionen zeigt. Doch ist Pat nicht allein fest entschlossen, seine untreue Gemahlin zurückzugewinnen, er ist auch überzeugt, dass sie auf ihn wartet. Eine an der Basis tragische Geschichte, die durch Autor und Regisseur David O. Russell („The Fighter“) mit viel Ironie und fast märchenhafter Leichtigkeit erzählt wird.

Dafür tragen auch die großartig aufspielenden Darsteller Sorge. „Hangover“-Star Bradley Cooper darf als Pat endlich wieder zeigen, dass er neben adretter Physis und komödiantischem Gespür auch schauspielerisch einiges zu bieten hat. Lohn war prompt eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller. Neben ihm brilliert die zu Recht Oscar-gekürte Jennifer Lawrence („Die Tribute von Panem“) als junge Witwe Tiffany, die wegen hemmungsloser eskapistischer Sexaffären selbst mit einigem Therapiepotenzial behangen ist. Aufeinander treffen die beiden, als Pat ins Haus der Eltern – Jacki Weaver („Animal Kingdom“) und der für den Nebenrollen-Oscar nominierte Robert De Niro („Heat“) – einzieht.

Der von Manien und Aberglaube geprägte Vater sammelt Geld durch seine Tätigkeit als Buchmacher, so dass er die eigenen Sorgen vor die des wie besessen joggenden Patrick stellt. Den Ton von „Silver Linings“ spiegelt dabei seine Abrechnung mit Hemmingway wider, dessen literarischen Figuren kein Happy End vergönnt bleibt. Was das für Patricks Suche nach dem Silberstreif am Horizont bedeutet, bleibt absehbar. Denn die verschrobenen Figuren (u.a. „Rush Hour“-Star Chris Tucker als ewig ausbüxender Psychiatrie-Patient) sind so liebenswürdig gezeichnet, dass ein Ende entgegen erwartbarer Konvention auch gar nicht tolerierbar wäre.

Pat und Tiffany kommen sich näher, weil beide durch die Unterstützung des anderen charakterliche Stärkung erwarten. Für sich halten sie den jeweils anderen für deutlich problembeladener. So bietet sie ihm an, einen Brief an seine durch eine einstweilige Verfügung für ihn unnahbare Frau zu übermitteln, wenn er im Gegenzug ihren Tanzpartner bei einem lokalen Turnier gibt. Das Drumherum bilden köstliche Endlosdialoge, die bei aller Komik nie die tragische Note verbergen. Und spröde Handkamerabilder, die die von den Gebrüdern Weinstein („Das Piano“) produzierte Dramödie in Richtung jener Werke richten, mit denen sie Miramax einst zur Speerspitze des Independent-Kinos machten. Ein wahrhaft großer kleiner Film.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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