Shoppen (D 2006)

shoppenDer zwischenzeitlich fast übertriebene teutonische Zwang der Beziehungskomödelei ist glücklicherweise passé, man widmet sich in der heimischen Kinolandschaft wieder vermehrt den ernsteren Dingen des Lebens. Der Film „Shoppen” von Ralf Westhoff – hier als Autor, Produzent und Regisseur aktiv – greift die Beziehung als solches auf, verbindet das Nützliche aber mit dem Notwendigen. Herausgekommen ist ein amüsanter wie trauriger Film, voll aus dem Leben gegriffen.

Tatort München. Das Angebot paarungswilliger Singles ist groß. Mittels eines „Speed Datings“ wollen 9 Frauen und 9 Männer mehr oder weniger den Partner fürs Leben finden. Fünf Minuten Zeit bleiben, um sich von seinem Gegenüber ein prägendes Bild zu verschaffen. Egon (Thomas Limpinsel) zum Beispiel, schon mal verheiratet, ein bisschen zurückhaltend, kocht aber gerne. Markus (Martin Butzke) dagegen ist offener, allerdings geht ihm beim Thema Umweltverschmutzung schnell der Hut hoch. Die zumindest körperlich anwesende Irina (Lisa Wagner) glaubt, sich verliebt zu haben, während der Controller Thorsten (Matthias Bundschuh) in den Gesprächen Punkt für Punkt seinen vorher aufgestellten Fragenkatalog durchgeht. Doch was passiert danach? Wer bekommt von wem die Rufnummer, wer darf wen wiedersehen?

Man muss nicht an einem derartigen Event teilgenommen zu haben, um „Shoppen“ zu verstehen. Der Event als solches dient als Aufhänger, möglichst viele, gänzlich unterschiedliche Personen unter einen Hut zu bringen. So spielt der Großteil des Films in einer kargen Halle, sich gegenüber sitzen die 18 Singles, die sich nun in wenigen Minuten beleuchten, ausfragen, sympathisch sind oder anwiedern. Nach einer kurzen Einführung der verschiedenen Charaktere in für sie typischen Alltagssituationen, lässt Filmemacher Ralf Westhoff seine Protagonisten unmittelbar aufeinander los. Dies geschieht mit viel Wortwitz und Charme. Niemand ist wie der andere, es gibt manchmal Ähnlichkeiten, aber nie ein gleiches Paar. Nach kurzer Zeit bereits darf spekuliert werden, wie A mit B oder B mit D zurechtkommt. Der Überraschungsmoment ist definitiv auf Seiten des Films.

Die Darsteller überzeugen, gerade weil sie unbekannt sind. Man merkt vielleicht manchmal, dass hier weitgehend Nachwuchsschauspieler am Werk sind, allerdings verleiht dies dem Film auch Authentizität. Der soll auf amüsante Art und Weise das Leben wiederspiegeln, was ihm auch gelingt, auch wenn manches vielleicht etwas übertrieben wirkt. Wie tickt Frau, wie tickt Mann? Diese Fragen beantwortet „Shoppen“ nicht, aber er zeigt auf äußerst sympathische Weise das Leben oder wie es sein kann.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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