Shooter (USA 2007)

shooter-2007Ein Mann wird gejagt. Das kennt man in der amerikanischen Unterhaltungskultur nicht erst seit Kimble „Auf der Flucht“. Diesmal ist es Mark Wahlberg („Boogie Nights“), der den Sprung vom rappenden Unterhosenmodel zum seriösen Schauspieler mit überraschender Abgeklärtheit vollbracht hat. Für seine Darbietung in Scorseses „Departed“ wurde er unlängst gar für den Oscar nominiert. Mit seiner Verpflichtung für „Shooter“ wird sich diese Ehre kaum wiederholen. Dazu ist die Figur des Scharfschützen Bob Lee Swagger zu oberflächlich. Sie trotzt Wahlberg keine Mühe ab, die über körperliche Herausforderungen hinausginge.

Das aber genügt einem Film, der sich nur am Rande für die inneren Befindlichkeit seines Helden interessiert. Moralische Aspekte sind im Profil der Rolle nicht vorgesehen. Die Grenze zwischen Recht und Unrecht ist klar gezogen. Swagger, ein empfindsamer Patriot, ist zwar eine Marionette in den dunklen Kreisen einer politischen Verschwörung. Doch weiß er sich zu wehren, was zur Exekution verschiedener Personen führt. Da diese aber nach dem Rechtsverständnis des Drehbuchs Schurken sind, bereitet ihm ihre Liquidierung auch kein Kopfzerbrechen.

Weil der Präsident ermordet werden soll, wird der in die Wildnis zurückgezogene Swagger von Colonel Isaac Johnson (doch nicht zu alt für diesen Scheiß: Danny Glover, „Lethal Weapon“) als Präventionsexperte rekrutiert. Doch er und Senator Meachum (Alt-Star Ned Beatty, „Beim Sterben ist jeder der Erste“) spielen falsch. Das Attentat gelingt, gilt allerdings nicht dem Staatsführer, sondern einem äthiopischen Geistlichen. Als vermeintlich Schuldiger wird Swagger ausgemacht. Angeschossen gelingt ihm die Flucht. Er taucht unter und holt nach spärlicher Genesung zum Gegenschlag aus.

Die Hetzjagd bedarf eines gewissen Vorlaufes. Um während dieser Phase nicht in die Verlegenheit schleichender Einführung zu kommen, sorgt der Auftakt – Swaggers letzter Einsatz, ausgerechnet in Äthiopien – für bleihaltig blutiges Scheibenschießen. Dabei wird sein Freund und Späher getötet. Damit die Geschichte später nicht nur auf den gehörnten Scharfschützen fixiert bleibt, ist da neben dem eigenmächtig Nachforschungen anstellenden FBI-Novizen Memphis (Michael Peña, „World Trade Center“) noch Sarah (Kate Mara, „Brokeback Mountain“), die Geliebte des seinerzeit gefallenen Kameraden.

Der seelisch angebrochene Regierungskiller, basierend auf einem Roman von Stephen Hunters, ist eine Art Jason Bourne für ein erwachsenes Publikum. Weniger aufgrund inhaltlicher Belange, sondern wegen der zum Teil unnötig ausufernden Gewalt. Hinter ihr steht Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“), der sich prächtig darauf versteht, seinen Film zum puren Unterhaltungsspektakel aufzuziehen. Er zelebriert die Adrenalin pumpende Verfolgung quer durch die vereinigten Staaten als Overkill zwischen Action und Spannung. Auf der Strecke bleiben dafür Logik und Glaubwürdigkeit. Aber Hand aufs Herz, wer sucht danach schon in einem solchen Streifen?

Fuqua weiß, wie er die Massen befriedigen kann. Der Plot gibt nicht wirklich viel her, genügt aber für schön abgefilmte Natur- und Stadtbilder sowie eine reibungslos funktionierende Verbindung von gut aufgelegten Schauspielern (darunter auch Elias Koteas, „Crash”) und explosivem Budenzauber. Um den Oscar spielt hier niemand, aber das beherzte Zuwerkgehen von Wahlberg allein verfestigt sich zur tragenden Säule eines durchweg fesselnden Thrillers. Im Subtext finden sich dann doch überraschend kritische Seitenhiebe auf die US-Außenpolitik, gerade im Bezug auf den zum Scheitern verurteilten Irakeinsatz. Insgesamt also Kintopp nach Maß – wer aber Anspruch sucht, ist definitiv im falschen Film.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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