Shock Waves (USA 1977)

shockwavesWir schreiben das Jahr 1977. Die Waffen des zweiten Weltkriegs sind längst gestreckt, Deutschland resozialisiert und die Menschheit partiell im Einklang. Das Leben könnte so schön sein, gäbe es da nicht die dem Horrorfilm erwachsenen Nazi-Zombies aus der Frischebox. Diese trachten in Ken Wiederhorns („Return of the Living Dead Part II“) antiquiertem Gruselstreifen „Shock Waves“ gestrandeten Ausflüglern vor karibischer Kulisse nach dem Leben.

Des nächtens rammt ein geisterhafter Frachter das Segelschiff von Kapitän Ben (John Carradine, „Dracula und seine Opfer“) und lässt es manövrierunfähig auf dem Meer zurück. Glücklicherweise findet sich in greifbarer Nähe eine kleine Insel, auf der sich die Schiffbrüchigen in einem verlassenen Hotelkomplex häuslich einrichten. Doch wird die Idylle von genetisch manipulierten Supersoldaten und deren greisem Kommandeur (Peter Cushing, „Dracula und seine Bräute“) getrübt. Für Keith (Luke Halpin, „Flipper“) und seine Leidensgenossen beginnt der Kampf ums Überleben.

Mit hübsch altmodischem Flair und schönen Unterwasseraufnahmen pachtet der abgestandene Zombie-Spuk Zuschauersympathie und Nostalgiewert. Das sich die dramaturgischen Spitzen nur allzu schematisch und vorhersehbar vollziehen, mindert das Vergnügen an „Shock Waves“ nicht. Denn die Darsteller agieren solide, der Score sorgt für atmosphärische Grundierung und die Aufmachung der untoten SS-Tauchschwadron ist belächelnswert bis rundum gelungen.

Neben der stimmigen Inszenierung überzeugt auch die Kameraführung. Als Stills Photographer verdingte sich hier übrigens Trash-Filmer Fred Olen Ray („Die Insel der Riesen-Dinosaurier“, „The Shooter“). Vor der Kamera streben Brooke Adams („Dead Zone“), Jack Davidson („Brian – Die Höllenfahrt eines Besessenen“), Fred Buch („Caddyshack“) und Clarence Thomas („Cocoon“) in Richtung des ansprechenden Finales.

Auf Gewalt setzt der Film nicht. Vereinzelt werden abgeschottete Einzelgänger unspektakulär, aber wirkungsvoll erwürgt oder ertränkt, im Vordergrund steht aber nicht die exzessive Zurschaustellung plumper Tötungssequenzen. Der auch unter den Titeln „Schreckensmacht der Zombies“ und „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ vertriebene B-Horrorfilm ist kein Referenzpunkt für Splatter-Junkies, sondern eine Perle für Freunde schnörkellosen Grusel-Trashs.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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