Sherlock Holmes (USA/D 2009)

sherlock-holmes-2009Wenn Guy Ritchie („Bube, Dame, König, grAS“) einen „Sherlock Holmes“-Film dreht, sollte eigentlich unmissverständlich klar sein, dass der legendäre Meisterdetektiv mit der Vorlage Sir Arthur Conan Doyles nicht mehr allzu viele Gemeinsamkeiten teilt. Und doch schien mancher Kritiker erstaunt über die Distanz zum Urheber und gleichwohl zu klassischen Verfilmungen wie jenen mit Basil Rathbone, der den brillanten Ermittler zwischen 1939 und 46 insgesamt vierzehnmal verkörpert hatte.

Beerbt wird er von „Iron Man“ Robert Downey Jr., der nach Drogeneskapaden und Karrieretief im neuen Jahrtausend endlich wieder groß aufspielt. Das zeigt er auch unter Ritchie und zieht den Detektiv mit der messerscharfen Kombinationsgabe als dandyhaftes Genie mit latentem Hang zur Selbstzerstörung auf. Bereits sein leger verlottertes Äußeres läuft der adretten Korrektheit des klassischen Holmes zuwider, fügt sich als ständiger Gegensatz jedoch vorzüglich in die pompöse, mit sehenswertem Aufwand am Rechner gestaltete Visualisierung des viktorianischen London.

Dort vereitelt Holmes mit dem Gefährten Dr. Watson (Jude Law, „Das Kabinett der Doktor Parnassus“) gleich zu Beginn eine Menschenopferung durch den in okkulten Ritualen geschulten Finsterling Lord Blackwood (Mark Strong, „Babylon A.D.“). Für seine Verbrechen wird der Schurke gehängt, prophezeit Holmes aber schon vorab seine Rückkehr. Tatsächlich herrscht Fassungslosigkeit, als der Leichnam Blackwoods verschwindet und eine Serie unheimlicher Begebenheiten ihren Lauf nimmt. Eine Schlüsselrolle fällt dabei Meisterdiebin Irene (Rachel McAdams, „State of Play“) zu, Holmes Ex-Geliebter.

Mit stilisierten Faustkämpfen in „Snatch“-Manier, putzmunteren Darstellern (u.a. auch Eddie Marsan, „Happy-Go-Lucky”) und detailfreudiger Ausstattung holt Ritchies launig rasanter Action-Krimi zum kurzweiligen (und durch die Beteiligung eines gewissen Professor Moriarty frühzeitig auf Fortsetzung getrimmten) Rundumschlag aus. An der Schnittstelle von retrospektivem Kostüm-Chic und zeitgemäß ästhetisierter Inszenierung gelingt dem britischen Filmemacher die Modernisierung des Klassikers. Dass „Sherlock Holmes“ dramaturgisch holpert, lassen bereits die lustvoll harmonierenden Downey Jr. und Law vergessen. Sicher nicht perfekt, als ironisches Kinospektakel aber trefflich auf den Punkt gebracht. Gut kombiniert, Ritchie!

Wertung: (7 / 10)

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