Sherlock Holmes – Spiel im Schatten (USA 2011)

sherlock-holmes-spiel-im-schatten„Be careful what you fish for!”

Dass Guy Ritchies Modernisierung des „Sherlock Holmes“-Stoffes fortgesetzt würde, war früh beschlossene Sache. Allerdings bedeutet „modern“ nicht den Ansatz der weit besseren britischen TV-Reihe „Sherlock“, die Sir Arthur Conan Doyles Meisterdetektiv als Polizeiberater in die Gegenwart verlagert, sondern schlicht einen aufgemotzten Blockbuster mit stilisierter Optik und effektreicher Action. Die Rasanz der Inszenierung und die munteren Hauptdarsteller Robert Downey Jr. („Iron Man“) und Jude Law („Repo Men“) machten das Spektakel aber zum amüsanten Zeitvertreib. Ritchies Sequel des Klassiker-Reboots untersteht aber selbstredend dem Zwang, den Vorgänger übertreffen zu müssen.

In „Spiel im Schatten“ macht sich das exzentrische, mehr denn je zu Manie und Selbstzerstörung neigende Genie Holmes (Downey Jr.) daran, seinen im Erstling peripher eingeführten Erzfeind Professor James Moriarty (Jared Harris, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“) zu überführen. Der ist angesehener Wissenschaftler und Friedensstifter, zieht jedoch die Strippen eines Komplotts, das nicht weniger als die Auslösung eines Weltkriegs zur Folge haben soll. Der Schurke selbst kontrolliert weite Teile der europäischen Rüstungsindustrie und gedenkt durch die Eskalation der von ihm heimlich befeuerten internationalen Konflikte kräftig zu profitieren.

Selbst für Holmes aber ist der stets sämtliche lose Enden beseitigende Moriarty nicht zu greifen. Das schließt auch die in dessen Dienste stehende Irene (Rachel McAdams, „Die Frau des Zeitreisenden“) ein, Ex-Geliebte des brillanten Detektivs. Als auch der frisch vermählte Dr. Watson (Law) in Lebensgefahr gerät, wirft sich der besessene Ermittler in diverse Verkleidungen und macht sich mit seinem getreuen Partner daran, Moriartys Pläne zu durchkreuzen. Behilflich ist ihnen, neben Holmes‘ nicht minder spleenigem Bruder Mycroft (Stephen Fry, „V wie Vendetta“), die Gypsy-Wahrsagerin Simza („Millennium“-Trilogie-Star Noomi Rapace).

Im Stile eins viktorianischen James Bond geht es durch halb Europa, was mehr Staffage und (CGI-)Aufwand bedeutet. Vor allem aber in Sachen Action hat Ritchie eine ordentliche Schippe zugelegt. Höhepunkt ist die Treibjagd im Wald, bei der in Superzeitlupe Bäume bersten und Kanonen abgefeuert werden. Die so rasante wie flüchtige Schnitzeljagd aber wirkt in ihrem steten optischen Bewegungszwang überfrachtet. Downey Jr., der wohl körperlichste Holmes der Filmgeschichte, und Partner Law harmonieren trotz bemühter Situationskomik souverän und finden in Jared Harris einen wahrlich diabolischen Widersacher. Damit ist „Spiel im Schatten“ allemal grell und kurzweilig. Die Zeitlosigkeit seiner Hauptfigur erreicht das oberflächliche Krimi-Abenteuer darüber aber nicht.

Wertung: (6,5 / 10)

 

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