Shark in Venice – Der weiße Hai in Venedig (USA 2008)

sharkinveniceWas nur hat „Der weiße Hai“ in Venedig verloren? Urlaub von den Entbehrungen eines oft bemühten Ungeheuers in zeitgenössisch qualitätslosen Tier-Horrorfilmen sicher nicht. Denn das nimmermüde Nu Image-Studio gönnt dem gefräßigen Raubfisch auch vor der Kulisse von Italiens romantischer Stadt der Brücken und Kanäle keine Pause. Gedreht wurde ohnehin in Osteuropa, wo Bedingungen und Fachkräfte (buchstäblich) billiger sind. Über den Mangel an Qualität sollte denn auch niemand verwundert die Stirn in Falten legen.

Gleich zu Beginn darf ein Hai (seinem Beispiel sollen weitere folgen) drei Taucher zerreißen, die unter Tage nach dem Schatz König Salomons suchen. Den haben gierige Kreuzritter im Mittelalter aus dem Morgenland eingeführt und dafür Sorge getragen, dass er über die Jahrhunderte in Vergessenheit geriet. So weit, so krude. Unter den Opfern findet sich auch der Erzeuger von Universitäts-Professor David Franks (war schon besser in Form: Stephen Baldwin, „Die üblichen Verdächtigen“). Das heißt, eigentlich findet er sich nicht, weshalb der Sohnemann vor Ort auf Spurensuche geht.

Gewohnt lausig stellt Danny Lerner, wie schon in „Shark Zone“ und „Raging Sharks“, dem Mythos von Spielbergs klassischem Killerfisch nach. Die aus Sicht der Trash-Fraktion herrlich bekloppte Grundidee versandet in akuter Ereignislosigkeit und (wie gehabt) minderwertiger Ausführung. Die Haiattacken werden durch Aufnahmen aus dem Doku-Archiv und hundsmiserable Computertricks bis zur Lächerlichkeit aufgepumpt, hölzerne (im Fall von Baldwin zusätzlich aufgedunsene) Darsteller sowie Dialogzeilen der Güteklasse „Das Wasser hier ist sehr trübe. Die Sicht ist begrenzt.“ tun ihr übriges.

Zusätzlich „aufgepeppt“ wird der kuriose Mix aus Tier-Horror, Abenteuerfilm und Thriller mit brutaler Billig-Action. Denn hinter dem Schatz ist auch die mafiöse Gesichtsmatratze Clemenza (Giacomo Gonnella, „Rome“) her, auf dessen Geheiß wachhabende Haie (!) in die Lagune geschleust wurden. Verständlich, dass dem ermittelnden Capitano (mit dem wohlklingenden Namen Bonasera) die Räuberpistole auch bei steigender Opferzahl nicht einleuchten will. Also muss David die Plauze, allein um des Druckmittels einer entführten Verlobten wegen, in einen Neoprenanzug pressen, den Schatz bergen und den Halunken das Handwerk legen. Ob ihm das wohl gelingen mag? Wer die Antwort sucht, ist selber Schuld!

Wertung: 2 out of 10 stars (2 / 10)

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