Shadow of the Vampire (GB/USA/LUX 2000)

shadowofthevampire„Our battle, our struggle ist to create art. Our weapon is the moving picture.“ – Murnau

Friedrich Wilhelm Murnau, ein Visionär des expressionistischen deutschen Kinos, drehte den Stummfilm-Klassiker „Nosferatu“ nach Bram Stokers Schauerroman „Dracula“. Stokers Witwe verweigerte ihm jedoch die Urheberrechte, so dass der Titel und die Namen der Charaktere geändert werden mussten. Zur Entstehungsgeschichte dieses Horror-Meilensteins verfilmte E. Elias Merhige („Suspect Zero“) zur Jahrtausendwende eine exzentrische Mutmaßung, ein Was-wäre-wenn-Szenario mit affektiertem Filmschaffenden und echtem Vampir.

Murnau, von Cast und Crew meist „Herr Doktor“ genannt, wird von John Malkovich („Being John Malkovich“) mit akutem Hang zum Overacting verkörpert. Über das Projekt hüllt sich das fanatische Genie in Schweigen, Darsteller (u.a. Eddie Izzard, „Mystery Men“) und der Produzent (Udo Kier, „Andy Warhol´s Dracula“) werden nur spärlich in seine Pläne eingeweiht. Das größte Rätsel gibt die Besetzung des Vampirs Orlok auf, für den Murnau den (hier unbekannten) Max Schreck gewinnen konnte. Der wird als Charakterdarsteller angepriesen, als Method Actor, der mit der Persönlichkeit einer Rolle zu verschmelzen pflegt.

„A native has wandered into my frame!“ – Murnau

Niemand solle sich also wundern, dass jener Schreck (Oscar-nominiert und herrlich kauzig: Willem Dafoe, „Animal Factory“) bei den Dreharbeiten in den Karpaten für sich bleibt und auch das Kostüm des Untoten zu keiner Zeit ablegt. Die Herkunft des Darstellers, der nur bei Nacht dreht und sich tatsächlich vom Blut der Lebenden ernährt, bleibt Murnaus Geheimnis. Zumindest vorerst. Der Vampir verzehrt sich nach der divenhaften Aktrice Greta (Catherine McCormack, „Braveheart“), die ihm Murnau für seine Mitwirkung versprochen hat. Bis zum Ende der Dreharbeiten will Schreck jedoch nicht warten und labt sich schon mal am Kamermann.

„Why him? Why not the script girl? – Murnau
„The script girl? I´ll eat her later.“ – Schreck

Der Film hat seine Makel, wirkt erzählerisch und dramaturgisch unausgewogen. Unschlüssig wabert Merhige zwischen Groteske und Drama, (unfreiwilliger) Komik und Ernsthaftigkeit. Als wunderbar verschrobene Grusel-Hommage bleibt er dennoch ein Kleinod des Arthouse-Kinos – allein der furiosen Darbietung Dafoes wegen. Die übrige Besetzung fällt dagegen merklich ab. Malkovich schlägt als leidenschaftlich wahnsinniger Filmemacher arg über die Stränge, wenn er die Dekadenz der Berliner Boheme förmlich aufsaugt oder dem Vampir in der finalen Sequenz, beinahe ekstatisch die Kamerakurbel bedienend, (auch im englischen Original) ein verächtliches „Schweinehund“ entgegen raunt.

Nicht weniger chargierend gibt sich Cary Elwes („Twister“), der als Ersatz-Kamermann Wagner fast der Parodie eines zeitgenössischen Lebemanns entspricht. Was die von Nicolas Cage („Leaving Las Vegas“) produzierte Obskurität letztlich vorgaukeln will bleibt nebulös. Doch nährt sich gerade aus dieser Ambivalenz, dieser vermeintlichen Ratlosigkeit der Urheber ein Reiz, der mitsamt der liebevollen Ausstattung, dem brillanten Dafoe, deutlich aus der Masse des üblichen Hollywood-Einerleis heraussticht. Unvollkommene und doch schlicht extraordinäre Unterhaltung.

Wertung: (7 / 10)

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