Senses Fail – Pull the Thorns From Your Heart (2015, Pure Noise Records)

senses-fail-pull-the-thorns-from-your-heartFür SENSES FAIL-Frontmann James „Buddy“ Nielsen scheint die Arbeit am sechsten Album „Pull the Thorns From Your Heart“ durchaus kathartischen Charakter zu besitzen. Denn die reflexiven Texte spiegeln seinen Kampf gegen die Alkoholsucht und die Suche nach spiritueller Ausgeglichenheit wider – mit durchaus optimistischem Beiklang. Dass sich der Sound der Mannen aus New Jersey über die Jahre gewandelt hat, dürfte aber insbesondere dem regen Mitgliedertausch anzulasten sein. Nielsen jedenfalls ist der einzige, der nach 13 Jahren Bandgeschichte von der Ur-Besetzung noch übrig ist. Zur spannungsgeladenen Angelegenheit wird die neue Platte darüber kaum. Hörenswert fällt sie trotzdem aus.

Der Beginn allerdings fällt ungewohnt ruppig aus. „The Three Marks of Existence“ ist hart und heftig, mit barsch geplärrten Vocals und verzweifelter Note versehen. Mit dem folgenden „Carry the Weight“ folgt jedoch die Rückkehr in die gewohnte Spur. Pop-Punk-Rhythmen, weitgehend klarer Gesang, viel Melodie. So ganz einfach schmiegt sich aber auch diese Nummer nicht ins Ohr. Ein wenig Unruhe und Anspannung schwingen mit, die sich in vokalen Ausbrüchen und zarten Dissonanzen entladen. Und das selbst im säuselnden Schlussdrittel. Dieser Gratwanderung bleiben SENSES FAIL auch mit „The Courage of an Open Heart“ treu, dass wiederum schmucklos nach vorn gedroschen wird.

Am wohlsten fühlt sich der Fünfer aber noch immer im Post-Hardcore-Schubfach. Partielle Poppigkeit ist nämlich auch diesmal nicht mit Weichspüler oder dem Weg des geringsten Widerstands gleichzusetzen. Einprägsame Mitgrölparts wie beim wuchtig rockenden „Take Refuge“ oder dem wendungsreichen Titeltrack bilden eher die Ausnahme und Behaglichkeit kommt bei „Pull the Thorns From Your Heart“ abseits des zart verträumten „Surrender“ keine auf. Dafür bleiben die 11 Songs im Kern zu aufgewühlt (siehe „Wounds“ oder das überfallartige „Dying Words“). Ein unbedingtes Muss resultiert daraus nicht. Doch die stimmungsvoll schroff und an den richtigen Stellen basslastig produzierte Scheibe hat einfach das gewisse Etwas. Gut gebrüllt, „Buddy“!

Wertung: (7 / 10)

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