Schutzengel (D 2012)

schutzengelschweigerJa, Til Schweiger („Keinohrhasen“) hat unbestritten große Erfolge vorzuweisen. Er lockt mit seinen Filmen regelmäßig Millionen Zuschauer an und repräsentiert das deutsche Kino auch jenseits des großen Teiches in Hollywood. Zudem gilt er als Frauenschwarm und erobert mittlerweile gar als „Tatort“-Ermittler die Mattscheibe. Es könnte also alles so schön sein. Wenn, ja wenn da nicht die Kritiker wären. Denn die halten den nuschelnden Superstar nicht selten für maßlos überschätzt, seine Werke für lahme Eindeutschungen amerikanischer Klischees und lassen auch kein gutes Haar daran, dass er seine Kinder ebenfalls vehement ins Filmgeschäft drängt.

Schweiger selbst reagiert ob solcher Talentschmälerungen oft schmallippig. Pressevorführungen seiner Filme gibt es nur für erlauchte, ihm wohlgesonnene Journalisten und seine Verdienste, so wird in Interviews immer mal wieder betont, sind ihm auch nicht ausreichend gewürdigt. Das klingt ein bisschen nach Lothar Matthäus. Nur ist Schweigers Karriere längst nicht vorbei, so dass ihm angesichts des Publikumszuspruchs doch eigentlich egal sein könnte, was das Feuilleton über ihn skandiert. Denn abebben wird die Kritik sicher nicht. Warum, lässt sich auch an „Schutzengel“ ermessen, Schweigers Heimatvariante des Pulp-Thrillers.

Aber hatte er das nicht längst mit der wenig eindrucksvollen Gangster-Groteske „Der Eisbär“ (1998) versucht? Sicher, der Ansatz seines als Produzent, Co-Autor, Regisseur und Hauptdarsteller realisierten zweiten Versuchs zielt jedoch in verschiedene Richtungen. Die ironisch überspitzte, gemeinhin als tarantinoesk bezeichnete Grundierung steht nämlich über weite Strecken hinter der schwülstigen emotionalen Zuordnung seines Polizisten und Ex-KSK-Supersoldaten Max Fischer und der von Tochter Luna („Kokowääh 2“) gespielten Mordzeugin Nina zurück. Die, eine aufmüpfige Waise, hat beobachtet, wie der skrupellose Waffenschieber Thomas Backer (Heiner Lauterbach, „Rossini“) einen Mord begangen hat, den er und sein loyales Gefolge der Öffentlichkeit als Notwehr verkaufen.

Die Polizei nimmt Nina in Zeugenschutz, doch sendet Backer gleich ein Killerkommando aus, dem nach heftigem Schusswechsel nur sie und Max entkommen. Die beiden tauchen unter, verfolgt von den eigenen Kollegen (als Vorgesetzter dabei: Herbert Knaup, „Die Sieger“), und finden Unterschlupf bei Max’ Kriegskumpan Rudi (Moritz Bleibtreu, „Soul Kitchen“), der in Afghanistan beide Beine verlor. Doch auch dort sind sie vor Backers Söldnern nicht sicher. In der Not klammern sich die Flüchtigen aneinander und bauen Vertrauen auf. Aber ihre Widersacher lassen nicht locker und als Max angeschossen wird (seine feminine Seite entdeckt Schweiger, wenn er die Wunde mit einem Tampon stopft), ist seine alte Flamme Sara (Karoline Schuch, „Zweiohrküken“), obendrein Ninas Anwältin, die letzte Hoffnung.

Man muss Til Schweiger dankbar sein, dass er zwischen all den Komödien und Dramen im deutschen Kino mal beherzt und in stilisierter Dauerzeitlupe die Waffen sprechen lässt und seine Protagonisten blutig zerpflückt.  Aber das holzschnittartige, unter monotoner Dialoglast ächzende Zueinanderfinden von Max und Nina macht „Schutzengel“ nicht allein überlang, es mindert auch den dankbar zur Kenntnis genommenen Versuch, den deutschen Genrefilm publikumswirksam beleben zu wollen. So allerdings wirkt vor allem der bleierne Leerlauf nach, der sich auch durch Nebenakteure wie Oliver Korittke („Bang Boom Bang“), Axel Stein („Barfuss“), Hannah Herzsprung („Hell“) oder Ralph Herforth („Kurz und schmerzlos“) nicht entkräften lässt. Chance leider vertan.

Wertung: (4 / 10)

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