Schmetterling und Taucherglocke (F/USA 2007)

schmetterling-und-taucherglockeIn „Schmetterling und Taucherglocke“ feiert Julian Schnabel („Basquiat“) den freien Geist des Künstlers. Wenn auch unter denkbar schwierigen Umständen. Das vierfach Oscar-nominierte Drama basiert auf dem Schicksal (und Buch) des Elle-Redakteurs Jean-Dominique Bauby, der nach einem Schlaganfall gänzlich gelähmt im Krankenhaus erwacht. Bei Bewusstsein, das Hirn intakt, muss er feststellen, dass ihm auch die Sprachfähigkeit genommen wurde. Der Film beginnt mit der schockierenden Erkenntnis, dass sein Verstand zum Gefangenen des eigenen defekten Körpers geworden ist.

Diese klaustrophobische Grenzerfahrung zeigen Schnabel, selbst bildender Künstler, und Kamera-Ass Janusz Kaminski („Der Soldat James“) aus subjektiver Perspektive. Sie machen den Zustand des Patienten regelrecht erfahrbar und vermitteln grobe Eindrücke des sogenannten Locked-In-Syndroms. Wie in einer Taucherglocke, von der Außenwelt praktisch abgekapselt, ist Jean-Do anfangs nur Ohr, Blick und innere Stimme. Die Bilder bleiben unscharf, halb deliriöse Orientierungslosigkeit, starr in den Raum führend, ohne Sinn für zentrierte Perspektiven.

Die Isolation des unfreiwilligen Schneckenhauses kann er, herausragend gespielt von Mathieu Amalric („Ein Quantum Trost“), nur über das Zwinkern des einen noch intakten Auges verlassen. Kommunikation ist mühsam, zeitintensiv, so schwer zu akzeptieren wie die missliche Lage insgesamt. Zunächst begegnet ihr der Patient mit bissigen Kommentaren, die die Ausweglosigkeit überspielen soll. Als er sich bemerkbar machen kann, bittet er um Sterbehilfe. Erst allmählich beginnt er sich mit der neuen Situation abzufinden. Mit Hilfe von Therapeuten, Freunden und der Familie – u.a. besetzt mit Emmanuelle Seigner („La Vie en Rose“) und Max von Sydow („Der Exorzist“) – findet er jedoch ins Leben zurück.

Was hätte zum sentimentalen Rührstück verkommen können, buhlt in der zeitweilig experimentellen Intensität der Inszenierung nicht einmal im Ansatz um Mitleid. Jean-Do, dessen Vergangenheit über Rückblicke allmählich aufgezeigt wird, taugt mit seinem starken Willen zur Identifikationsfigur. So verdichtet sich nicht nur das bewegende, fein skizzierte Bild eines Menschen, der erst in der eigenen Tragödie zu sich selbst findet, es entsteht auch eine Ode an den Sieg des Geistes über den Körper. Lebenswert ist das Dasein auch unter vermeintlich unerträglichen Bedingungen. Dieser Schluss mag etwas trivial wirken, der Film jedoch ist es keineswegs.

Wertung: (9 / 10)

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