Saves the Day – 9 (2018, Rude Records/Equal Vision Records)

Im Emo-Schubfach sind SAVES THE DAY ein unbestrittener Klassiker. Nach ihrer großen Zeit, befeuert durch schier unzählige Besetzungswechsel und künstlerisch verquere Konzeptplatten, schien die Band nur noch ein Vehikel für Frontmann Chris Conley zu sein, um sich in Erinnerung zu rufen und ein gewisses Auskommen zu garantieren. Dass es nach dem letzten, selbstbetitelten Album fünf Jahre dauern sollte, ehe das Gespann aus New Jersey ein weiteres Musikwerk vorlegt, dürfte daher kaum enttäuschte Gesichter hervorbringen. 

Doch mit „9“ sollte alles anders werden. Conley wollte sich, seiner Band und nicht zuletzt den Fans ein Denkmal setzen. Über neun Songs versteht sich. Betrachtet man die Scheibe nur an der Oberfläche, aus einer Warte, die Musik beiläufig erlebt, ohne sich näher mit den darin transportierten Ideen oder Botschaften auseinanderzusetzen, kann sie solide die Zeit vertreiben. Aber auch nur dann. Denn lässt man dazu die Texte wirken, in denen Conley mit verklärender Nostalgiebrille auf ein gutes Vierteljahrhundert SAVES THE DAY zurückblickt, wird es peinlich.

Das belegen bereits die ersten Zeilen des programmatisch „Saves the Day“ überschriebenen Openers: „Oh yeah, we’re writing a record / Oh yeah, you’re gonna love it / You’ll know it forward and backward / We’ll get it stuck in your head“.

Mehr Selbstbeweihräucherung scheint schwerlich möglich. Und so geht es weiter. Im folgenden „Suzuki“ huldigt Conley jener Gitarre, auf der er das Debütalbum „Can’t Slow Down“ (1997) einspielte. Das klingt weniger nach einer Danksagung an die Anhängerschaft, sondern vielmehr nach einem Künstler, der die Augenhöhe der Zielgruppe komplett verfehlt. Das Kuriose: Die beiden obengenannten Tracks sind die besten des Albums. Tempo und Gesang stimmen, der Punk scheint durch und die Melodien sitzen. Das war es dann aber auch schon.

Mit „Side By Side“ driftet die Platte Richtung Alt-Rock ab und lässt Conley dazu aufgesetzt ins Mikro quaken. Der Rest ist spannungsarm und belanglos, wobei der gleich mehrfache Verweis auf die Schönheit des Seins (siehe u. a. „Life is Beautiful“), gerade in Relation zu früheren Texten, von einer verschobenen Wahrnehmung kündet, die „9“ wie ein Teenager-Poesiealbum erscheinen lässt, bei dem – mit Ausnahme von „Rosé“ – jeder Konflikt bereinigt wird. Auch das finale, auf 21 Minuten (!) gestreckte „29“ wirkt lediglich wie eine lose verklebte Ideensammlung, bei der sich SAVES THE DAY als verdiente Altstars inszenieren, den Beleg jedoch konstant schuldig bleiben, worauf ihr Status eigentlich beruht. Mit einem Wort: traurig.

Wertung: (4 / 10)

scroll to top