Satanic Surfers – Fragments and Fractions (2000, Bad Taste Records)

Um selbstreflexive Töne waren die SATANIC SURFERS – und vorrangig Sänger Rodrigo – nie verlegen. Auf ihrem dritten Album „Going Nowhere Fast“ brachte es der Song „Out of Touch“ auf den Punkt: Aus dem Spaßprojekt war eine Art Job geworden, verbunden mit äußeren Erwartungshaltungen und entsprechendem Druck. Dahinter stand die Formulierung des Wunsches, das Musikmachen samt daran geknüpftem Gefühlshorizont an seinen Ursprung zurückzuführen. Um das zu erreichen, kehrten die verstärkt mit personellen Umbrüchen (u. a. quittierte Bassist Tomek den Dienst) konfrontierten Schweden Burning Heart den Rücken und heuerten erneut bei Bad Taste Records an.

Neben ihrer Gründerzeit-Compilation „Songs From the Crypt“ erschien dort 2000 „Fragments and Fractions“. Doch echte Begeisterung wollte darüber nicht aufkommen. Dabei ist die vierte reguläre Full-Length-Veröffentlichung des Klassikers für sich genommen eine souveräne Angelegenheit. Im Vergleich zum Vorgänger „Going Nowhere Fast“ und dem Nachfolger „Unconsciously Confined“ fehlt es der Scheibe aber schlicht an Durchschlagskraft. Einige der 13 Tracks (die Nummer 14, „The Lost Song“ macht ihrem Namen alle Ehre!) sind bereits vergessen, bevor sie überhaupt verklungen sind. Hinzu kommt der unzureichende, schwach abgemischte Sound, der häufig wirkt, als wären die Stücke live im Proberaum aufgenommen worden.

Was die Platte rettet, sind ihre unbestreitbaren Höhepunkte. Textlich sorgt das Kombinat aus Politischem und Persönlichem wieder für erhellende Einsichten. „And No One Can Deny“ etwa widmet sich dem Jahrzehnte währenden Kampf der Ogoni gegen die Ausbeutung ihres Lebensraumes in Nigeria durch Ölkonzerne – und ihre systematische Tötung. Der unzweifelhaft beste Beitrag ist das gefühlige „Together“, das hymnischen Charakter entwickelt und den nur noch als Sänger in Erscheinung tretenden Ex-Drummer Rodrigo in melodischer Bestform zeigt. In Sachen instrumentaler Vielseitigkeit gibt es – trotz spürbarer Reduzierung der Hardcore-Anleihen – wenig auszusetzen, wofür auch feine Tracks wie „Submission“ oder „Chosen My Side of the Fence“ stehen. Nur dieses vertraute, verloren geglaubte Gefühl der „Hero of Our Time“-Ära will sich einfach zu selten einstellen. Für Fans der SATANIC SURFERS zweifelsfrei Pflichtprogramm. Leider aber auch nur für die.

Wertung: (7 / 10)

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