Sando Kid spricht das letzte Halleluja (I/E 1971)

sandokidhalleluja„Eines Tages geht der Hase mit dem Löwen eine Ehe ein, aber der Bund fürs Leben kostet ihn den Kopf.“ – Sando Kid

Ein Film gibt Rätsel auf. Der passable Italo-Western „Sando Kid spricht das letzte Halleluja“ wird je nach Quelle den Regisseuren Sergio Bergonzelli („Kopfgeld für Ringo“) oder León Klimovsky („Django – unersättlich wie der Satan“) zugeschrieben. Wie es heißt aus steuerlichen Gründen. Die Inszenierung aber soll der unbekanntere Bergonzelli bewerkstelligt haben, der sich in der Hauptsache an halbgaren Exploitation-Filmwerken zwischen Erotik („Verbotene Zärtlichkeiten“) und Blutbad („Blood Delirium“) versuchte.

Der Auftakt gibt sich düster: Auf einem Schlachtfeld des US-Bürgerkriegs feuert Nordstaatenoffizier Grayton (Aldo Sambrell, „Für eine Handvoll Dollar“) zu den psychedelischen Klängen Alessandro Alessandronis („Lady Frankenstein“) auf alles sich noch regende in gegnerischer Uniform. Dabei hat der Süden längst kapituliert. Ums Nachladen macht er sich keine Gedanken. In seiner Rage spuckt der Colt auch noch Blei, als die Trommel längst leer sein müsste. Beim Todesritt erspäht er eine Hütte, in der Sanitäter Sando Kid (Peter Lee Lawrence, „Galgenvögel sterben einsam“) Verwundete versorgt. Auch sie sind der Feind. Wieder fallen Schüsse, diesmal jedoch auch in Graytons Richtung. An der Hand verletzt, geht der Mörder stiften.

In der Folge wird aus dem Pazifisten Sando Kid ein gewiefter Revolvermann. Den Feinschliff der Manneswerdung erhält er bei den Rangers, wo er schnell zum unerbittlichen Vollstrecker im Namen des Gesetzes aufsteigt. Als ihn der Vorgesetzte in seine Heimatstadt Springfield beordert, soll er den fälligen Urlaub mit einem Auftrag verbinden. Denn die Gegend wird von skrupellosen Grundstücksspekulanten in Beschlag genommen, die an Ort und Stelle einen Knotenpunkt für den boomenden Eisenbahnverkehr etablieren wollen. Und deren Hintermann ist niemand geringeres als Grayton.

Nach der kompromisslosen Eingangssequenz stellt sich Routine ein. Es ist doch wieder nur die Geschichte eines Duells zwischen Gut und Böse, dem aufrechten Scharfschützen und dem durchtriebenen Schurken. Das unterhält durch die deutlichen Anleihen bei US-B-Western und ihren frohen Mutes zur Tat schreitenden Bilderbuchhelden – nur eben in der leicht trashigen Spaghetti-Variante. Dank der souveränen Umsetzung, solider Darsteller – unter anderem Espartaco Santoni („Terror für Gesetz und Ordnung“) als Sando Kids schwarz gekleideter Kopfgeldjägerkumpan Dollar – und ansprechender Kompositionen ist der kurzweilige Einheitsbrei bekömmlich. Nur ist er geschmacklich derart bekannt, dass es keine echte Gaumenfreude ist.

Wertung: (5 / 10)

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