Sancho – Dich küsst der Tod (I/E 1966)

sanchodichkuesstdertod„Ich bin der Größte.“ – Schwer von sich eingenommen: Sancho

Bevor Sergio Leone dem Italo-Western seinen revolutionären (weil politisch unkorrekten) Anstrich verpasste, waren europäische Genrefilme nur Abziehbilder amerikanischer Klischees. Helden und Schurken waren deutlich voneinander getrennt und bewegten sich in streng vorgezeichneten moralischen Bahnen. So auch „Sancho – Dich küsst der Tod“, den Romolo Guerrieri („10.000 blutige Dollar“), Onkel von „Keoma“-Regisseur Enzo G. Castellari, anno 1966 drehte. Dass es längst anders ging, bewies im gleichen Jahr Corbuccis gewaltreicher Klassiker „Django.“

Der junge Rechtsanwalt und Mienenbesitzer Timothy Benson (Errol Flynns Sohn Sean, „Sechs Kugeln für Gringo“) hat für Gewalt nichts übrig. Selbst als ihm Bandenführer Sancho Rodriguez (Fernando Sancho, „Eine Pistole für Ringo“) seinen Besitz streitig machen will glaubt er an die Kraft des Gesetzes. Vorarbeiter Corky (Poldo Bandandi, „Todesmelodie“) sieht das anders. Eigenmächtig trommelt er fünf alte Kumpel aus der Militärzeit zusammen – darunter Kunstschütze Slim (Daniel Martín, „Sie nannten ihn Gringo“) und Kraftpaket Brett (Spartaco Conversi, „Sabata“) – und rückt Sancho auf die Pelle.

Guerrieris bemüht leichtfüßiger Western-Schwank begegnet gängigen Mustern zwar mit Übersteigerung und Humor, überzeugt aber weder inszenatorisch noch schauspielerisch. Natürlich müssen die auf bloße Kraft oder Trinkfestigkeit reduzierten Raubeine den Bücherwurm erst in einen richtigen Mann verwandeln, bevor es Sancho an den Kragen geht. Timothys Liebste Coralie (Ida Galli, „Django spricht das Nachtgebet“), die auch der Bandit begehrt, ist davon wenig angetan.

Das Ganze mutet an wie eine Mischung aus „Die glorreichen Sieben“ und „Verflucht, verdammt und Halleluja“. Wenn der Zweitgenannte nicht erst sechs Jahre später produziert worden wäre. Die deutsche Synchronisation ist für den einen oder anderen Lacher gut („´Ne Menge Blei haben die Jungs im Bauch. Den Arzt würd ich nur rufen, wenn er Buntmetall sammelt.“), bleibt von den angedichteten Gag-Gewittern eines Rainer Brandt aber weit entfernt. Zeit lässt sich mit „Sancho“ ohne weiteres totschlagen. Qualitative Unterhaltung sucht der geneigte Italo-Connaisseur aber besser woanders.

Wertung: (4 / 10)

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