Samiam – Trips (2011, Hopeless Records)

samiam-tripsZwei Platten in zehn Jahren künden nicht gerade von reger Geschäftigkeit. Aber der Schein trügt. Denn SAMIAM waren hartnäckigen Trennungsgerüchten (und echtem Kurzzeit-Ruhestand) zum trotz stets präsent. Auf der Bühne konnte man sie regelmäßig erleben und der Zuspruch der treuen Fans gab ihnen Recht. Sechs Jahre nach dem Evergreen „Astray“ erschien 2006 „Whatever’s Got You Down“. Das kantige Album gefiel, vermochte aber selbst eingefleischte Anhänger der Kalifornier nicht recht zu begeistern. Ein wenig schien der Zauber verflogen. Zumindest im Studio. Live lieferten die Mannen um Sänger Jason Beebout wie gewohnt. Aber ein wenig hielt sich die Erwartung anlässlich der Ankündigung von „Trips“, dem mittlerweile achten regulären Studioalbum, doch in Grenzen. 

Umso größer nun… Naja, nicht die Überraschung, aber doch die Freude darüber, dass SAMIAM zu alter Stärke zurückgefunden haben. An „Astray“ und „You Are Freaking Me Out“ reicht „Trips“ zwar nicht vollends heran, verknüpft aber deren Stärken mit der ruhigen Ader von „Clumsy“. Das neue Material wirkt entspannt, inspiriert und mitreißend. Deutlich besser produziert als „Whatever’s…“ ist die im Studio von GREEN DAY-Frontmann Billy Joe Armstrong aufgenommene Platte – Augenzwinkern des Schicksals: In ihren Anfangstagen eröffneten die Charts-Punker wiederholt für SAMIAM – sowieso und auch Jasons über die Jahre nahezu ruinierte Stimme schwingt sich so gut es eben geht alten Höchstleistungen entgegen. Bereits der Opener „80 West“ offenbart, dass der in Melancholie getränkte Indie-Punk der Kalifornier noch immer blendend funktioniert und dem bewährten Live-Programm überdies ein paar weitere konstante Hits beizusteuern vermag. 

Egal ob laut oder leise, ob schwungvoll oder zurückhaltend, die trefflich harmonierende Band, am Schlagzeug mittlerweile vertreten von Charlie Walker (NEW END ORIGINAL), lotet die Gefühlswelten abermals souverän aus. Beweisen müssen sie längst nichts mehr. Ihre Klassiker sind geschrieben, das Leben kann also zurückgelehnt mit der Erfahrung von 23 Jahren Bandgeschichte betrachtet werden. An großen Momenten mangelt es „Trips“ trotzdem nicht. Die langgezogenen Whoohoos bei „Clean Up the Mess“, der ungeachtet seines Schwermuts in aller Ruhe ausgebreitete Fünfminüter „El Dorado“ oder das wunderbar basslastige „Over Now (Dead)“ sind nur drei Beispiele von 13 Nummern, die sich nie aufdrängen und trotz des ganzheitlich Bekannten in schmissiger Variierung ein anhaltend breites Lächeln aufs Gesicht zaubern. Danke dafür! 

Wertung: (8 / 10)

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