Samiam – Clumsy (1994, Atlantic Records)

samiamclumsyJede große Band des Independent-Sektors kann auf einen Major-Kontrakt zurückblicken. So auch SAMIAM, die ihr ´94er-Album „Clumsy“ in Amerika via Atlantic, beziehungsweise in Europa über Warner veröffentlichten. Das es ihr erster und einziger Ausflug in die Welt der Massenunterhaltung bleiben sollte, reduziert die Klasse der Platte nicht im geringsten. Zwar ziehen die elf Songs im Vergleich zu den Folgeveröffentlichungen „You Are Freaking Me Out“ und „Astray“ gern den kürzeren, übersehen wird dabei aber oftmals die Güte hinter der zeitweilig vorherrschenden Komplexität.

Das Tempo bleibt trotz der Paukenschlageröffnung „As We´re Told“ zumeist gedrosselt. Im Vordergrund steht die virtuose Verknüpfung von Melodie und Härte, wobei letzteres in erster Linie durch Jason Beebouts fantastische Stimmführung gewährleistet bleibt. Allein die emotionale Ergriffenheit, die sein von Aufgewühltheit bis Verzweiflung taumelndes Organ bei „Stepson“ generiert, treibt kalte Schauer über den Rücken. Als Gegenstück lassen SAMIAM im direkten Anschluss die sarkastische Alltagsverdammung „Bad Day“ folgen, welche das Hitpotential der Band zum damaligem Zeitpunkt eindeutiger denn je vor Augen führte.

Doch ist es nicht nur Jasons Stimmgabe, die den Reiz des Albums bis in die Gegenwart aufrecht erhält, sondern auch das fulminante Zusammenspiel der beiden Gitarristen James Brogan und Sergie Loobkoff. Die Produktion erfasst jede Fassette der musikalischen Bandbreite, ohne aufgesetzt oder gar poliert zu wirken. „Clumsy“ ist ein Langspieler aus einem Guss, keinen Akkord zu lang und ohne verklärende Schnörkel. Mit ihm festigten SAMIAM ihren Status und ebneten gleichzeitig den Weg für die Zukunft. Ein bravouröses, bedauerlicherweise unterschätztes Werk.

Wertung: (8 / 10)

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