Sabata (I 1969)

sabataDer wilde Westen ist ein heißes Pflaster. Ein Verbrechen lässt sich bereits erahnen, wenn Soldaten nur einen zu überführenden Geldschrank während der Nacht in einer kleinstädtischen Bank zur Ruhe betten. Militärisches Wachpersonal ist zwar vorhanden, doch nicht in solch ausreichender Zahl, den tollkühnen Raubzug verhindern zu können. Überträgt man dieses Szenario in ein Lichtspiel, addiert Akrobaten, gewitzte Revolvermänner, geschwätzige Sidekicks und Genre-Star Lee Van Cleef („Drei Vaterunser für vier Halunken“) hinzu, dann kommt dabei unter dem Strich ein Prototyp des Spaßwesterns heraus: „Sabata“.

Gianfranco Parolini, der unter dem Pseudonym Frank Kramer auch Einfluss auf das Drehbuch nahm, siedelt sein vor Ironie triefendes Werk so fern wie möglich von jeder realistischen Darstellungsweise an. Also wird übertrieben, verzerrt und mit allerlei technischen Spielereien geprotzt, die nur mehr den Verdacht mehren, das Konzept des munteren Streifens sei ein in die staubige Prärie übertragendes Pendant zu den Abenteuern des britischen Geheimagenten James Bond. Dessen Rolle übernimmt Van Cleef mit spitzbübischer Freude. Doch sein Sabata braucht einen nach Macht strebenden Widersacher, der sich bald im öligen Stengel (Franco Ressel, „Vier Fäuste für ein Halleluja“) findet.

Dieser ist nicht nur der Drahtzieher des eingangs beschriebenen Raubzuges, er ist auch bestrebt sämtliche Mitwisser seiner Urheberschaft zum Schweigen zu bringen. Derartiges Geschäftsgebaren aber ist selbst im anarchischen Amerika des neunzehnten Jahrhunderts nicht tragbar, weshalb sich Sabata bald daran macht, seine Kenntnis von Stengels Machenschaften in klingende Münze zu verwandeln. Klar, dass der ihn im Gegenzug am liebsten tot sähe. Allein stellt sich der gewitzte Scharfschütze dem Schurken jedoch nicht in den Weg. Da ist noch das redselige Dickerchen Carrincha (Ignazio Spalla, „Bleigewitter“), der stumme Akrobat Indio (Aldo Canti, „Die 6 Unbesiegbaren“) und der undurchsichtige, gern mal die Fronten wechselnde Musiker Banjo (William Berger, „Keoma“).

Parolini erzählt die Geschichte weitgehend spannungsfrei, wenn der Titelheld einen von Stengel gesandten Killer nach dem anderen aus den Stiefeln knallt. Dass sein eigentlich nur vierschüssiger Colt zur Überraschung der Gegner weitere Kugeln aus dem Kolben abfeuern kann, ist nur eines von vielen das muntere Geschehen auskleidenden Gimmicks. Auch die sind eher dem Unterhaltungswert als der Atmosphäre untergeordnet, so dass der bestechend fotografierte, von klassisch theatralischen Kompositionen untermalte Film den Übergang vom klassisch düsteren zum selbstironischen Spaghetti-Western bedeutet. Was folglich bald ebenso ausgereizt wurde, überzeugt hier noch in seiner Urform. Ein Klassiker.

Wertung: (7 / 10)

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