Ruf nach Vergeltung (USA 1989)

rufnachvergeltung„You ain´t seen bad yet. But it´s coming!“ – reflektiert auch die Qualität des Films: Truman Gates

Blut ist dicker als Wasser. Das sagt schon der Volksmund. Und der weiß ja bekanntermaßen alles besser. Ausdrücken will das Sprichwort die familiäre Bande, den naturgemäßen Zusammenhalt und die loyale Verbundenheit unter Blutsverwandten. Im Thriller-Drama „Ruf nach Vergeltung“ wird diese auf eine harte Probe gestellt, gilt es für einen pflichtbewussten Polizisten doch zwischen Gesetzestreue und den Rachegelüsten seiner Sippschaft Position zu beziehen. Keine leichte Entscheidung, zumal der eigene Bruder von der Mafia ermordet wurde.

Landei Truman Gates (Patrick Swayze, „Road House“) hat es als Bulle von der heimischen Farm nach Chicago verschlagen. Dort verteidigt er, mit Schlapphut und rauem Hinterwäldler-Charme, das Gesetz. Aus der Bahn wirft ihn die Hinrichtung von Bruder Gerald (Bill Paxton, „Navy Seals“), der sich als Kurierfahrer verdingte und von Unterwelt-Emporkömmling Joey Rosselini (Adam Baldwin, „Full Metal Jacket“) kaltblütig abserviert wurde. Die Beisetzung in der Hillbilly-Heimat birgt Zündstoff, setzt Briar (Liam Neeson, „Rob Roy“), der älteste der Brüder, doch alles daran, die Täter zu bestrafen.

Mit überflüssigen Sentimentalitäten und einem verkitscht klischeehaften Loblied auf die Einfachheit der Landbevölkerung wird der Familienzwist angeheizt. So verschlägt es auch Briar, einem traditionellen „Auge um Auge“-Ritus entsprechend, mit Kimme und Korn in die Großstadt. Dort treibt sich, neben Helen Hunt („Besser geht´s nicht“) als Trumans Gattin, auch Ben Stiller („Tropic Thunder“) herum, der den Sohnemann des örtlichen Paten Isabella (Andreas Katsulas, der G´Kar aus „Babylon 5“) mimt. Mit Quaderkopf und Oberlippenflaum erinnert der spätere Starkomiker an den jungen Arnold Schwarzenegger – und entfaltet in der ungewohnt ernsten (Früh-)Rolle entsprechende Holzschnittartigkeit.

Die (in der Rückblende) namhafte Besetzung bringt dem Film aber keinerlei Zugewinn, weil das Skript doch nur großer Käse ist. Von Routinier John Irvin („City of Industry“) immerhin solide inszeniert, mündet die Geschichte über knackige Gewalteinlagen in einen Showdown auf dem städtischen Friedhof, bei dem auch die anderen Provinz-Schrate zu den Waffen (Bogen, Armbrust, ein Bus voller Schlangen etc.) greifen dürfen. Was aber gibt es bei „Ruf nach Vergeltung“ zu lernen? Dass es Aldi bis nach Chicago geschafft hat. Dass Mafia-Handlanger ziemliche Hohlköpfe sind. Und natürlich, dass Blut dicker als Wasser ist. Aber das lieber Volksmund, wussten wir dank dir auch schon vorher.

Wertung: (4 / 10)

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