Rounders (USA 1998)

roundersDas Spieler-Drama „Rounders“ hat es bislang nicht einfach in Deutschland gehabt, schließlich erscheint der bereits 1998 von John Dahl („Joyride“, „Red Rock West“) gedrehte Film erst jetzt offiziell bei uns auf DVD. An mangelnder Qualität liegt dies sicherlich nicht, wohl eher am kommerziellen Risiko, einen solchen Film in die Kinos zu bringen.

Der junge Mike McDermott (Matt Damon) ist Pokerspieler, ein ausgezeichneter noch dazu. Sein größter Wunsch ist es, einmal den Titel des Weltmeisters in Las Vegas zu gewinnen. Aktuell ist er davon jedoch meilenweit entfernt, denn seine ganzen Ersparnisse verliert er gegen den russischen Mafiosi Teddy KGB (John Malkovich). Mike zieht aus dieser Schmach seine Konsequenzen und schwört sich als auch seiner Freundin Jo (Gretchen Mol), nie wieder Poker zu spielen. Einige Monate sind vergangen und Mike studiert Jura, da holt ihn seine Vergangenheit wieder ein. Sein bester Freund Worm (Edward Norton) wird aus dem Knast entlassen, der es mit der Ehrlichkeit beim Spiel im Gegensatz zu Mike nie besonders ernst genommen hat. Er überredet Mike, ihm behilflich zu sein, schließlich muss er noch alte Wettschulden begleichen. Mike steht nun vor einer folgenschweren Entscheidung. Freundschaft oder Liebe? Spiel oder Beruf?

Preise kann man mit derlei Filmen vielleicht gewinnen, an der Kinokasse haben es Werke wie „Rounders“ jedoch schwer. Da kann auch eine Deluxe-Besetzung, wie es hier der Fall ist, nicht immer helfen. Mit Matt Damon („Die Bourne Identität“, „Dogma“) und Edward Norton („Fight Club“, „Zwielicht“) in den Hauptrollen exzellent besetzt, durfte Regisseur John Dahl Hochkaräter bis in die kleinste Nebenrolle verpflichten. So gibt der ewig souveräne und hier wieder einmal überragende John Malkovich („Being John Malkovich“, „Gefährliche Liebschaften“) als russischer Ganove ein Stelldichein, Oscar-Preisträger Martin Landau („Ed Wood“, „Cleopatra“) mimt den juristischen Mentor von Matt Damon und Coen-Spezi John Turturro („Miller’s Crossing“, „The Big Lebowski“) gibt sich ebenso wie Famke Janssen („X-Men“, „Faculty“) die Ehre.

Die guten Voraussetzungen kann „Rounders“ aber leider nicht über jede Spielrunde retten, denn dem Film mangelt es an Spannung. Zu offenkundig steuern seine Protagonisten auf ein Ende zu, dass der Zuschauer jederzeit vor seinem Auge hat. Einige Handlungsstränge werden zudem nicht konsequent bis zum Ende hin verfolgt, so ist beispielsweise die Problematik zwischen Matt Damon und Gretchen Mol nichts halbes und nichts ganzes und auch das plötzliche Fernbleiben von Edward Norton gen Ende passt nicht ganz in den Kontext. Hier kann Dahl leider nicht die Oberflächlichkeit durchdringen, häufig passt dort mehr die Optik als der Inhalt. So ist „Rounders“ ein solider Film geworden, bei dem jedoch mehr zu holen gewesen wäre. Gut inszeniert, prima gespielt, doch der letzte Schliff fehlt leider.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Masters of Horror: Haeckel’s Tale (S. 1/Ep. 12) (USA/CDN 2006)

    „Masters of Horror“ ist eine 13-teilige, fürs US-Fernsehen produzierte Serie, die an das Prinzip der „Tales from the Crypt“ – hierzulande unter dem Titel „Masters of Horror“ auf Video erschienen – anknüpft. In knapp einstündigen, in sich abgeschlossenen Episoden toben sich namhafte Regisseure wie William Malone („Fear Dot Com“), Larry Cohen („Die Wiege des Satans“)…

  • Vampire in Brooklyn (USA 1995)

    „You ain’t got to pull that Blacula shit with me.“ – Julius Im Herbst seiner Karriere drehte die 2015 verstorbene Horror-Koryphäe Wes Craven („A Nightmare On Elm Street“) Filme, die selbst im wohlwollenden Rückblick kaum der Rede wert erscheinen. Neben der Werwolf-Banalität „Verflucht“ (2005) trifft das vorrangig auf „Vampire in Brooklyn“ zu, in dem Komödienstar…

  • Moon (GB 2009)

    Würde man 100 Personen auf der Straße spontan fragen, was denn für sie typisches Science-Fiction-Kino wäre, so würden mindestens 86 von ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit George Lucas‘ epochales Weltraummärchen „Krieg der Sterne“ und/oder Gene Roddenberrys wegweisende Saga um das „Raumschiff Enterprise“ herausposaunen. Hier und da kommt es allerdings vor, dass über die großen und kleinen…

  • House of Wax (USA/AUS 2005)

    Dass die Kreativkraft Hollywoods allmählich schwindet, reflektiert allein die stetig steigende Zahl an Remakes. Besonders hart trifft dieser oft unrühmliche Raubbau angestaubter Genreperlen den Bereich des Horrorfilms. Wie Pilze sprießen moderne Neuinterpretationen kleiner und großer Klassiker aus dem Boden der amerikanischen Filmindustrie. Dabei breitet sich zusehends der Trend aus, dass sich die Schocker des neuen…

  • Rezept zum Verlieben (USA 2007)

    Auf den ersten Blick hat man es mit einer typischen romantischen Komödie zu tun, bei der erst mal nur die Darsteller unüblich erscheinen. Die häufig unterkühlt wirkende Catherine Zeta-Jones gilt sicherlich nicht als Genre-Maßstab. Allerdings ist „Rezept zum Verlieben“, ein Remake des deutschen Films „Bella Martha“ mit Martina Gedeck von 2001, kein Genrewerk im ursprünglichen…

  • Robin Hood (USA 1973)

    Mit ihrem 21. abendfüllenden Trickfilm widmeten sich die Disney-Studios 1973 dem Mythos „Robin Hood“. Regisseur Wolfgang Reitherman, ein Vertrauter Walt Disneys, hatte zuvor bereits Klassiker wie „Das Dschungelbuch“ und „Aristocats“ auf die Leinwand gebracht und bediente sich bei Tanzeinlagen und Gestaltung der vermenschlichten Tiere deutlich aus dem Fundus früherer Filme. Am deutlichsten wird dies an…