Rookie – Der Anfänger (USA 1990)

rookieeastwoodClint Eastwood hat sich seinen Stand – und die Oscars – hart erarbeitet. Der späten Blüte als Meisterregisseur („Erbarmungslos“, „Mystic River“) gingen Jahrzehnte voran, in denen das sichtlich gealterte Allroundtalent auf die Paraderollen der harten Kerle, allen voran der des „Dirty Harry“, abonniert schien. Als wandlungsfähig erwies er sich früh, nur wollte das Publikum nicht die verletzliche Seite ihres Stars sehen. Die lotete er allmählich in Position des Filmemachers aus, wobei ihm das regelmäßig produzierende Warner-Studio relative Handlungsfreiheit ließ. Eastwood drehte für verhältnismäßig kleines Geld und fuhr Erträge ein. Der Unabhängigkeit sollte das genügen.

Um persönliche Projekte wie „Die Brücken am Fluss“ realisieren zu können, lieferte er Filme, die den markigen Draufgänger bedienten und die auf dem Image des unerschütterlichen Ordnungshüters aufbauten. Der letzte „klassische“ dieser Reihe ist das Buddy-Movie „Rookie – Der Anfänger“, in dem die Personalunion aus Regisseur und Hauptdarsteller ein letztes Mal den zynischen Cop von altem Schrot und Korn gibt. Allerdings, und dort liegt der Kniff, mit selbstironischen Seitenhieben, was die zum Teil brutale Gewalt nicht entkräftet, ihr aber doch einen parodistischen Anstrich verleiht.

Der titelgebende Neuling ist David Ackerman (Charlie Sheen, „Platoon“), frisch von der Polizeischule und traumatisiert, weil er in Kindertagen den Tod des Bruders verschuldete. Unterstellt wird er dem bärbeißigen Veteran Nick Pulovski (Eastwood), dessen Partner jüngst von Autoschieber Strom (Raul Julia, „Addams Family“) erschossen wurde. Der Fall wird ihm entzogen, was ihn jedoch nicht davon abhält, dem Verbrecher weiter auf den Pelz zu rücken. Den streng nach Vorschrift handelnden Ackerman stürzt das in einen Gewissenskonflikt. Als der Partner aber von Stroms Komplizin Liesl (Sonia Braga, „Der Kuss der Spinnenfrau“) entführt – und sexuell missbraucht – wird, springt der Rookie über seinen Schatten und holt zum Gegenschlag aus.

Hohes Tempo geht Eastwood auch bei diesem schnörkellos inszenierten Actionstreifen nicht. Als Kinoerzähler alter Schule lässt er sich Zeit für die Einführung der Charaktere, was ungeachtet derer Eindimensionalität blendend unterhält. Das Hauptaugenmerk liegt auf der teils recht ruppigen Action, deren Höhepunkt die Befreiungsaktion Pulovskis stellt, bei der er und Ackerman mit einem Mercedes den Sprung aus der oberen Etage eines explodierenden Gebäudes wagen. Derart spektakulär geht es selten zu, was aber auch nicht zwingend sein muss. Eastwood steht für Qualität. Und die bürgt selbst beim wenig originellen „Rookie“ noch für ansprechende Unterhaltung.

Wertung: (7 / 10)

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