Rollerball (USA/D/J 2002)

rollerball-remakeHimmel hilf! Wieder einmal ist ein Klassiker des angestaubten Kinos der Moderne der berüchtigten Hollywood-Verwurstungs-Maschinerie zum Opfer gefallen. Der unschuldige Ideengeber heißt in diesem Falle „Rollerball”, jener von Norman Jewison gedrehte Sci-Fi-Thriller aus dem Jahre 1975. Verantwortlich für den beinahe unglaublich dämlichen Neuaufguss zeigt sich Erfolgsregisseur John McTiernan, mit Kino-Krachern wie „Stirb langsam” oder „Predator” einst im Action-Olymp angekommen. Doch diese goldene Ära des explosionsschwangeren Krawumm-Films scheint längst verblasst. Denn anders ist diese unsagbar grottige Unterhaltungsentgleisung nicht zu erklären.

Die düstere Zukunftsutopie, in dem sich ein Extrem-Sport-Star, im Original verkörpert von James Caan, gegen ein totalitäres Establishment auflehnt, wurde beim Remake kurzerhand in die nahe Gegenwart verlegt. Dort wird in den ehemaligen Sowjet-Republiken Südostasiens eine Sportart besonderer Natur praktiziert, das Rollerball. Diese moderne Abart antiker Gladiatorenkämpfe beschert dem herrschsüchtigen Geschäftsmann Petrovic (Jean Reno) Geld und Macht. Um die Spiele auch international vermarkten zu können, bedient sich der kasachische Medienmogul des Beliebtheitsgrades der beiden amerikanischen Champions Jonathan (Chris Klein) und Red (LL Cool J). Doch die Einschaltquoten wollen sich lediglich bei steigendem Blutgehalt in der Arena in profitable Sphären vorwagen, so dass von diesem Punkte an Gewalt im Spiel Reichtum gleichkommt. Gegen den Willen der Akteure lässt Petrovic immer neue Aktionen inszenieren, um die Quote in die Höhe zu treiben, so dass letzten Endes auch Menschenleben keine Bedeutung mehr aufweisen. Einzig Jonathan stellt sich tapfer gegen das System.

In diesem Zuge offenbart sich „Rollerball” als hochgradig dumm. Dabei drängt sich die stümperhafte Schnitttechnik, die das wüst zusammengewerkelte Filmchen beizeiten wie mit der Streitaxt bearbeitet erscheinen lässt, inbrünstig in den Vordergrund. Doch hat der gefilmte Hackepeter darüber hinaus noch einiges mehr zu bieten, beispielsweise völlige Konzeptlosigkeit, unmengen an Klischees und ein dümmliches Drehbuch, welches seinen unterirdischen Darstellern in steter Folge hohle wie holprige Dialoge in den Mund legt. Selbst anfänglich angestrebte Seitenhiebe auf Medienmacht und Konsumgesellschaft verpuffen im Soge dieser allgegenwärtigen Ideenlosogkeit bereits im Ansatz. Für gewöhnlich halten Regisseure, die etwas auf sich halten, angesichts solch debilen Unsinns nicht den Kopf für ihre Arbeit hin, sondern ersetzen ihren guten Namen vielmehr durch das allseits beliebte Pseudonym Alan Smithee. John McTiernan hielt dies offenbar nicht für nötig und ließ stattdessen brav die Hosen runter, um sich von der gesamten Weltpresse im Kollektiv per Negativkritik in den Arsch treten zu lassen. Verdient hat er es, denn lustloser heruntergekurbelt erscheint wohl kein anderer Film im Gesamtwerk des 51-jährigen Regisseurs.

Historisches gibt es dennoch zu vermelden, wenngleich nichts zwingend schmeichelhaftes. Denn erstmals tritt Schmalspurmime und Rap-Röllchen LL Cool J („Deep Blue Sea”) den Beweis dafür an, dass er tatsächlich eine ganze Besetzung an die Wand spielen kann. Hauptdarsteller Chris Klein („American Pie”) verkörpert wohl den blassesten Helden seit Erfindung des Kinos und agiert schlicht grauenhaft. Welche Geldnot allerdings Frankreichs Superstar Jean Reno („Godzilla”) in die Rolle des fiesen kasachischen Leuteschinders gedrängt hat, bleibt auch nach Ende dieses plakativen Nonsens noch fraglich. Als letzte im Bunde verbleibt noch Ex-Model Rebecca Romijn-Stamos („X-Men”). Aber der ist eigentlich kein Vorwurf zu machen, da ehemalige Laufstegstelzerinnen üblicherweise jeden Mist für ein krümelchen Filmruhm spielen. So ist „Rollerball” ein schrecklich infantiler Streifen, hektisch, laut und zudem mit einem nervtötenden Nu-Metal- Crossover-Soundtrack bestückt, dessen Repräsentanten Slipknot zudem einen Cameoauftritt absolvieren. Schönen Dank auch.

Wertung: (2 / 10)

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