Robin und Marian (USA 1976)

robinundmarianAbgesang auf einen Helden: In „Robin und Marian“ entzaubert Richard Lester („Die drei Musketiere“) den Mythos des aufrechten Rebellen Robin Hood. Als vernarbten alten Mann lässt er ihn nahezu 20 Jahre nach seinen in der öffentlichen Wahrnehmung meist übertriebenen Heldentaten von den Kreuzzügen heimkehren. Im Heiligen Land aber fand Robin, in dessen Rolle Sean Connery gekonnt gegen sein „Bond“-Image anspielt, nur Trostlosigkeit und Tod. Selbst den einst so ehrbaren König Richard Löwenherz (Richard Harris, „Der Mann, den sie Pferd nannten“) ereilt im Wahn eines kriegstreiberischen Feldherrn ein unrühmlicher Abgang.

Des Kämpfens müde kehrt Robin mit Kumpan John Little (Nicol Williamson, „Excalibur“) nach England zurück und nimmt prompt den alten Kampf gegen den noch immer in Amt und Würden befindlichen Sheriff von Nottingham (stark: Robert Shaw, „Der weiße Hai“) auf. Der ist selbst zum desillusionierten Zyniker geworden und verspürt keine Lust die alte Fehde aufzufrischen. Doch Robin zwingt ihn durch Provokationen des mittlerweile zum König ausgerufenen Ex-Prinzen John (Ian Holm, „Alien“) zur Konfrontation. Mit einschlägigen Weggefährten bläst Robin zum Aufstand alter Männer – und trifft natürlich auch seine große Liebe Marian (Audrey Hepburn, „Frühstück bei Tiffany“) wieder. Nur hat es die als Nonne in den Schoß Gottes geführt.

Die Heldentaten fallen zusehends schwerer und auch die Schwertführung bedeutet mehr Krampf als Eleganz. Das starbesetzte Drama – den Will Scarlett gibt Denholm Elliott, der mit Connery später auch in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ spielte – würzt die Revision klassischer Kostüm-Abenteuer mit bitterer Ironie und probt den Abgesang auf die populäre Robin Hood-Sage mit der nötigen Konsequenz. Nur widerwillig lässt sich der Sheriff auf ein Duell mit dem starrsinnigen alten Widersacher ein, so dass es im Wald von Sherwood, wo sich die Getreuen beider Parteien auf dem Schlachtfeld begegnen, zur Entscheidung kommt.

Neben den Darstellern und der Kameraarbeit David Watkins (wurde für „Jenseits von Afrika“ mit dem Oscar geehrt) überzeugt auch die detailreich das Mittelalter revitalisierende Ausstattung, die dem Waldversteck von Robins Räuberbande sogar eine Kloake zugesteht. Die bewegende, am Ende unerwartet tragische Romanze lebt von der Gegensätzlichkeit des übermütigen Connery und der resignierten Marian, in deren Rolle die Hepburn nach neun Jahren Leinwandabstinenz ihr Comeback feierte. Zum Klassiker reichte es für „Robin und Marian“ nie. Dennoch ist der traurigste Robin Hood der Filmgeschichte als Gegenentwurf klassischer Heldenmythologien auch heute noch einen Blick wert.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Die Friseuse (D 2010)

    Kathi König, die vollschlanke Friseuse aus Leidenschaft, mutet an wie ein wandelndes Fettnäpfchen. Den Bandscheibenvorfall einer Kundin spielt sie lapidar herunter und kontert mit Multipler Sklerose. Ähnlich forsch ist auch ihr Äußeres. Die ausufernden Kurven kommen in engen Kleidern voll zur Geltung und werden durch farbenfrohe Strähnen und Obstschmuck in ihrer Aufdringlichkeit noch hervorgehoben. Schamgefühl…

  • Bandidos (I/E 1968)

    Bevor Massimo Dallamano („Der Tod trägt schwarzes Leder“) selbst ins Regiefach wechselte, verdingte er sich als Kameramann und rückte unter anderem „Drei gegen Sacramento“ (1963) und die bahnbrechenden Sergio Leone-Filme „Für eine Handvoll Dollar“ (1964) und „Für ein paar Dollar mehr“ (1965) ins rechte Licht. Er selbst, der mit „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ auch…

  • House II – Das Unerwartete… (USA 1987)

    „Looks like you’ve got some kind of alternate universe in there or something.“ – Blickt tief ins Mauerwerk: Elektriker/Abenteurer Bill Die Rückkehr ins Horror-Haus geriet Produzent Sean S. Cunningham („Last House on the Left“) noch humoriger. Vom Erfolgsteam des Erstlings blieb neben Kameramann Mac Ahlberg („From Beyond“), Komponist Harry Manfredini (nutzte für den Score Teile…

  • The Cutter (USA 2005)

    Die im Internet kursierenden „Fun Facts“ über und rund um Chuck Norris lassen beinahe darüber hinweg sehen, in welch schlechten Filmen sich der alternde Haudegen dem verdienten Ausstand entgegenkloppt. Nahtlos in die Tradition des unsäglichen „The President’s Man“ fügt sich auch „The Cutter“, welcher Norris als wehrhaften Privatermittler gegen Grabräuber und Alt-Nazi Curt Lowens („Mandroid“)…

  • Anacondas 4: Trail of Blood (USA/RO 2009)

    Eine Fortsetzung zum Monster-Trash „Anaconda“ hatte wohl niemand ernsthaft verlangt. Gedreht wurde sie trotzdem. Und das auch noch fürs Kino. Seitdem toben die Killerschlangen im Videothekenregal weiter. Sony lässt sich die Verhunzung jedes halbwegs populären Hollywood-Schinkens der letzten zwei Dekaden (siehe „Road House “, „Walking Tall“ oder „Hollow Man“) schließlich nicht nehmen. Vom ersten Sequel…

  • Der unglaubliche Hulk (USA 2008)

    Comic-Gigant Marvel ist ins Filmgeschäft eingestiegen. Nicht länger nur als finanzspendender Beisitzer, sondern gleich als eigenes Studio. Das erste allein gestemmte Projekt, „Iron Man“, erwies sich als durchschlagender Erfolg. So ließ sich vorherrschender Erfolgsdruck abbauen und die zweite Superhelden-Adaption, „Der unglaubliche Hulk“, sichtlich entspannter erwarten. An der gewinnbringenden Verbindung von großen Namen und opulenten Effekten…