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Robin Hood (USA 2018)

25. Februar 2026· von Thomas5.0 / 10
Robin Hood (USA 2018)

„You are only powerless if you believe you are powerless.“ – Yahya

Es sollte eine moderne Aufbereitung der klassischen Heldengeschichte um Robin Hood werden. Eine mit Gegenwartsbezügen und jugendlichem Identifikationspotenzial. Dass trotz Blockbuster-Anmutung, gehörigem Produktionsaufwand und namhaftem Cast am Ende nur gewollt lässiger Einheitsbrei (und drei Nominierungen für die Goldene Himbeere) bleibt, liegt auch am Zwang, die dutzendfach erzählte Geschichte eigenwillig zu variieren. In der von TV-Regisseur Otto Bathurst („Peaky Blinders“) vorgelegten und von Leonardo DiCaprio („The Revenant“) koproduzierten „Robin Hood“-Version ist vieles bekannt und doch ein bisschen anders. So erinnert der adlige Robin von Loxley (Taron Egerton, „Kingsman“), nachdem er sich dem Kampf gegen den tyrannischen Sheriff von Nottingham (Ben Mendelsohn, „Rogue One“) verschrieben hat, eher an einen modernen Superhelden als an einen mittelalterlichen Gesetzlosen. 

Bevor es dazu kommt, ist Robin aber auf Geheiß des Sheriffs, dessen Aufzug mit grauem Ledermantel unweigerlich an die Uniformierung von Offizieren aus der Nazi-Zeit erinnert, angehalten, an den Kreuzzügen teilzunehmen. Dafür muss er seine geliebte Marian (Eve Hewson, „Papillon“) zurücklassen. Bei den Scharmützeln im Heiligen Land, bei denen Bathurst Parallelen zu Militäreinsätzen im Nahen Osten zieht, werden beim Kampf in Gassen und Ruinen Pfeile in der Frequenz von Maschinengewehren verschossen. Die Action ist dabei mit Wucht und Übertreibung inszeniert. In ihren Wirren wird auch Yahya (Jamie Foxx, „Django Unchained“) eingeführt, der erst eine Hand und dann seinen Sohn verliert. 

Da sich Robin gegen das willkürliche Töten seines Kameraden Guy of Gisbourne („Peaky Blinders“-Star Paul Anderson) erhebt, wird er – vier Jahre nach seiner Einberufung – zurück in die Heimat verschifft. Dort muss er mit Schrecken feststellen, dass der Sheriff die Einwohner Nottinghams in den umliegenden Minen ausbeutet. Er selbst wurde für tot erklärt, der Familienbesitz einverleibt. Mehr noch ist Marian mit dem politisch ambitionierten Will (Jamie Dornan, „50 Shades of Grey“) liiert. Mit dem ebenfalls nach England gebrachten Yahya – oder John in englischer Kurzform (!) – als Mentor beginnt Robin bald, unter einer Kapuze verborgen, das Geld der Reichen zu stehlen und den Armen Hoffnung zu geben. Das damit verbundene Doppelleben sieht vor, als vermögender Kriegsrückkehrer das Vertrauen des Sheriffs zu gewinnen. 

Die Eckpfeiler sind bekannt. Einer von ihnen ist auch der Robin unterstützende Geistliche Tuck (Tim  Minchin, „Californication“), dessen Rolle hier aber ironisch überzeichnet wird. Durch den sich abzeichnenden Interessens- und Emotionskonflikt mit Will und die industriell unterfangene Ausbeutung der Bevölkerung gelingen erzählerisch tatsächlich Varianzen, deren potenzielle politische Aspekte aber zugunsten zeitgemäß spektakulärer Actionszenen bestenfalls oberflächlich angerissen werden. Bis sich die Aufständischen um Robin am Ende in den Wald aufmachen und den Widerstand gegen das Regime in gewohnte Bahnen lenken, gilt es einen Geldtransport des Sheriffs abzufangen, mit dem er und der durchtriebene Kardinal Franklin (F. Murray Abraham, „Der Name der Rose“) ein Komplott gegen den König finanzieren wollen. Dass bei diesem „Robin Hood“ in der Erzählung alles eine Spur größer gedacht ist, täuscht schlussendlich aber auch nicht über die allgegenwärtige Flachheit hinweg. Blockbuster-Budenzauber ist eben längst nicht alles.