Robin Hood, König der Vagabunden (USA 1938)

robinhoodflynnKaum ein Leinwandheld strahlte prächtiger in Technicolor als Errol Flynn. Seine größten Erfolge feierte der 1909 geborene Australier unter Regisseur Michael Curtiz, der mit „Casablanca“ in die Annalen des Kinos eingehen sollte. Flynn dirigierte er auch durch „Unter Piratenflagge“ (1935) und bescherte dem draufgängerischen Lebemann seinen Durchbruch in Hollywood. Ihre wohl bekannteste Zusammenarbeit bleibt „Robin Hood, König der Vagabunden“ (Alternativtitel: „Die Abenteuer des Robin Hood“), ein prächtig ausgestattetes und herrlich altmodisches Breitwandabenteuer nach den Legenden des berühmten Freischärlers aus dem Sherwood Forrest.

Während König Richard in der Fremde die Kreuzritter ins Heilige Land führt, herrscht Bruder John (Claude Rains, „Mr. Smith geht nach Washington“) als Tyrann über England. Auf dem Weg zurück auf den Thron wird Richard gefangen genommen, was den Stellvertreter zum endgültigen Griff nach der Macht verleitet. Es ist die Zeit der kriegerischen Konflikte zwischen Normannen und Sachsen und mit Guy von Gisbourne (Basil Rathbone, „Wir sind keine Engel“) weiß John einen angesehenen normannischen Adligen auf seiner Seite. Die breite Masse ächzt jedoch unter horrenden Steuerbelastungen und repressiver Ausbeutung. Hoffnung indes spendet Robin Hood (Flynn), der den Unterdrückern aus den Wäldern heraus den Kampf ansagt.

Mit seinen Getreuen, darunter Little John (spielte die Rolle auch in der Douglas Fairbank-Version von 1922: Alan Hale) und Will Scarlett (Patric Knowles, „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“), nimmt er den Reichen und gibt den Armen. Der prahlerische Sheriff von Nottingham (Melville Cooper, „Rebecca“) hat Robins tollkühnen Dreistigkeiten wenig entgegen zu setzen, ja selbst ein Bankett Johns kann der Räuber weitgehend unbehelligt stören. Dabei macht er die Bekanntschaft der normannischen Adligen Marian (avancierte mit „Unter Piratenflagge“ zu Flynns Traumpartnerin: Olivia de Havilland), die sich über den enteigneten Angelsachsen, der eigentlich Robin von Locksley heißt, anfangs noch empört.

Doch auch sie durchschaut irgendwann die Machenschaften Johns und schlägt sich auf Robins Seite. Die Romanze zwischen den beiden wird durch ein Turnier zur Ermittlung des besten Bogenschützen von England, eine Falle des Sheriffs zur Ergreifung des vogelfreien Helden, zusätzlich entfacht. In Disneys Trickfilmversion (1973) wurde Curtiz’ Klassiker, bei dem der Regisseur eigentlich nur als Ersatzmann des zuvor geschassten William Keighley („Die Freibeuter“) fungierte, mit der Abwandlung des Wettbewerbs deutlich Tribut gezollt. Aber auch sonst bietet „König der Vagabunden“ viel fürs Herz und noch mehr fürs Auge. Die Inszenierung und vor allem das dezent hüftsteife Spiel der Darsteller bleiben von wonniger Theatralik umspielt. Wenn Flynn schallendes Gelächter durch den Sherwood Forrest raunen lässt und sich als Raufbold und Possenreißer geriert, dann verkörpert er sich praktisch selbst.

Das humorvolle Mantel- und Degen-Abenteuer wurde mit drei Oscars ausgezeichnet. Neben Szenenbild und Schnitt erhielt Komponist Erich Wolfgang Korngold die Trophäe. Es war seine zweite nach „Ein rastloses Leben“. Curtiz’ Regie verleiht dem munteren Kampf für die Gerechtigkeit einen steten Schwung. Im Wald, wo Robin die Gefolterten und Geächteten aufnimmt, mangelt es den Aufständischen an nichts. Das wirft die Frage auf, warum die Menschen jener Zeit nicht schon immer in der bequemen Natur gehaust haben. Aber wer will sich daran stören? Das prachtvoll nachgebaute mittelalterliche England liegt schließlich in Hollywood. Und so organisiert Gutmensch Robin Hood den gerechten Widerstand und treibt augenscheinlich die Produktion giftgrüner Strumpfhosen voran. Gerade diese grundlegende Naivität verleiht dem großen Trivial-Klassiker seinen zeitlosen Glanz.

Wertung: (8 / 10)

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