Road to Hell (USA 2008)

„A very different time…
A very different place…
Still a Rock n‘ Roll fable.“ – Die Einblendung nach dem Prolog

Walter Hills Rock’n’Roll-Märchen „Straßen in Flammen“ (1984) ist ein in Neonlicht getauchter Action-Klassiker, der seiner Zeit voraus war. Regisseur und Co-Autor Hill hatte den Stoff eigentlich als Trilogie angedacht. Doch daraus wurde nach dem kommerziellen Misserfolg des Films nichts. Für den Hauch einer Fortführung sorgte stattdessen Cyborg-Dompteur und B-Ikone Albert Pyun („Nemesis“), der in „Road to Hell“ 2008 darüber philosophierte, was aus den Figuren des Originals geworden sein könnte. Das Drehbuch schrieb Cynthia Curnan, die Gattin des 2022 verstorbenen Filmemachers, auf Basis der unerfüllten Liebesgeschichte zwischen Sängerin Ellen Aim (früher gespielt von Diane Lane) und ihrem Retter Tom Cody.

Wer mit Pyuns Spätwerk vertraut ist, kann ungefähr einschätzen, was von „Road to Hell“ zu erwarten ist: ein verkopfter No-Budget-Streifen. In dem gibt es keine stringent erzählte Geschichte, sondern mehr ein Essay über Schuld und Vergebung vor albtraumhaftem Hintergrund. Für die ungefähre Nähe zum Original sorgt der erneut als Tom auftretende Michael Paré („BloodRayne“), dessen Odyssee durch eine surreale Green-Screen-Wüstenlandschaft vom Erzengel Gabriel eingeführt wird. Der erscheint hier als hübsche Frau mit Gitarre (Joei Fulco, „Cyborg Nemesis“) und berichtet vom Kampf um Toms Seele, die irgendwo zwischen Himmel und Hölle festhängt.

Die Gitarre kündet von der Bindung zur Prämisse von „Straßen in Flammen“, bei dem die Musik eine wesentliche Rolle spielte. So auch hier. Nur eben weit geringer dimensioniert. Für größer angelegte Konzertszenen war kein Geld vorhanden. Also müssen zunächst Studioaufnahmen genügen, bei denen Ellen Dream (Roxy Gunn) – Tochter von Tom und Ellen Aim – das Erbe ihrer ermordeten Mutter antritt. Irgendwo zwischen Toms Irren durch künstliche Sparfuchs-Bildwelten, ein Interview mit Ellen Dream und einem Polizeiverhör von Toms Schwester (wie im Original: Deborah Van Valkenburgh, „Mean Guns“) – mit der Stimme von Pyun-Regularie Norbert Weisser („Heatseeker“) – wird auch eine Sängerin mit Retro-Mikro im Neonlicht eingeblendet, die an Lane erinnern soll.

Ein Höllentrip ohne Mehrwert

Da aber auch das nicht reicht, kreuzt Tom in der Einöde die Wege der beiden Mehrfachmörderinnen Caitlin (Clare Kramer, „Big Ass Spider!“) und Ashley (Courtney Peldon, „InAlienable“). Da werden Erinnerungen an „Hitcher, der Highway-Killer“ (1985) wach. Nur fügt sich Tom einfach nicht ins Korsett des am Straßenrand auf Opfer lauernden Psychopathen. Genau da liegt das größte Problem: Die Interpretation seiner Figur als traumatisierter Regierungskiller (inklusive „Rambo“-Gedächtnis-Flashback mit CGI-Kampfhubschraubern!) passt nicht zur Lone-Stranger-Darstellung Hills. Paré ist dabei kein Vorwurf zu machen, er spielt gewohnt überzeugend und die Szenen zwischen ihm und dem Frauen-Duo weist zumindest streckenweise eine unterschwellig unbequeme Stimmung auf.

Trotzdem wirkt die Summe der Einzelteile nie kohärent. Das zeigen auch die Höllenanspielungen, die vom Radiosender mit der Frequenz 66.6 über den Handlungsort Hell Valley bis hin zum Dante genannten Radio-DJ reichen. Diese Beharrlichkeit macht „Road to Hell“ auf seine Art sympathisch. Pyuns Inszenierung bleibt dabei nah am Theater, also quasi „Warten auf Godot“ in der Grindhouse-Variante. Um am Ende aber doch noch Nähe zu „Straßen in Flammen“ vorzugaukeln, führt die Straße zur Hölle zu einem urbanen Konzerthaus, wo Tom mit der entfremdeten Tochter wiedervereint wird. Zumindest ein bisschen. Dabei darf Roxy Gunn mit ihrer Band noch Songs vom Soundtrack des Originals präsentieren. Damit rechtfertigt Pyun immerhin die Spielfilmlänge.

Den eigentlich spannenderen Filmstoff liefert am Ende eine Texteinblendung, die Tom Rache für Ellen Aims Ermordung nehmen lässt. Dabei werden mit Fish und Raven auch weitere relevante Charaktere des Originals bemüht – und beim Zweitgenannten Verwandtschaftsverhältnisse eröffnet, die dem dezent psychedelischen Vorlauf in der Wüste zumindest ein bisschen mehr Kontext verleihen. Das finale Happy End mit wiederhergestelltem Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle ist allerdings großer Käse. Denn Toms Weg Richtung Vergebung deckt sich nicht unbedingt mit der vorangegangenen Enthauptung im Ödland. Aber dem Geist von „Straßen in Flammen“ widerstrebt Pyuns 50. Film so beharrlich, dass es auf diesen Randaspekt letztlich auch nicht mehr ankommt.

Wertung: 3.5 out of 10 stars (3,5 / 10)

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