Rise Against – Appeal to Reason (2008, DGC/Interscope)

rise-agianst-appeal-to-reasonDas gute Gewissen des politisch ambitionierten Punkrocks ist wieder da. Die Rede ist (natürlich) von RISE AGAINST, die mit „Appeal to Reason“ ihr bereits drittes Major-Album veröffentlichen. Bekanntermaßen war ihr Wechsel nicht das Drama, welches man sich vor einigen Jahren nach dem Überalbum „Revolutions Per Minute“ und dem Weggang von Fat Wreck zu Geffen vorstellte. Denn an Biss verloren Tim McIllrath und Konsorten in der Folgezeit nicht, Erfolg und Ideale ließen sich durchaus gut vereinbaren. Insofern sollte auch „Appeal to Reason“ die blütenweiße Weste nicht beschmutzen, so zumindest dürfte die Meinung eingefleischter Fans im Vorfeld gewesen sein. Mit Bill Stevenson hinter den Reglern setzte man abermals auf das richtige Pferd, doch trotzdem ist es nicht das Album geworden, das dieser Band eigentlich würdig wäre.

Mit „Collapse (Post-Amerika)“ spielen RISE AGAINST zu Anfang einen sicheren Trumpf. Launiger Punkrock mit Tempo und Zug nach vorn, dazu diese hymnischen Passagen, die die Band in den letzten Jahren perfektionierte. In die „Ready to Fall“-Schiene dann geht „Long Forgotten Sons“, der bereits ein oder zwei Durchläufe mehr braucht. „Re-Education (Through Labor)“ dann ist das bis dato poppigste Stück, bei dem beinahe jegliche Härte fehlt. Derart glatt kennt man die Band eigentlich nicht, doch leider wird diese Spur im Folgenden nur noch selten verlassen. Die Songs wirken „Mainstreamiger“, klingen immer noch wie RISE AGAINST, aber häufig eben etwas kraftlos. Vor allem Tim McIllrath hält sich zurück, härtere Gesangspassagen spart er sich fast komplett. Ebenfalls sehr poppig, aber aufgrund enormem Tempos durchaus noch als kleiner Hit zu bezeichnen, „The Dirt Whispered“.

Im Vergleich dazu ist ein Song wie „Audience of One“ schon fast als belanglos zu bezeichnen. Eine Beschreibung, die eigentlich bei RISE AGAINST undenkbar ist. Es fehlt schlicht die nötige Aggressivität, was auch nicht durch zwei, drei Hymnen egalisiert wird. Gerade im Schlussteil plätschert das Album etwas vor sich hin, wobei sie mit „Hairline Fracture“ noch mal einen stärkeren Song präsentieren. Unterm Strich aber bleiben RISE AGAINST mit „Appeal to Reason“ einfach unter ihren Möglichkeiten, denn all das, was sie so groß gemacht hat, wird hier nur halbherzig angefasst. Schlecht klingt das immer noch nicht, dafür sind RISE AGAINST einfach zu gut, können selbst wenn sie auf Sparflamme kochen, den Hörer doch noch irgendwie packen. Trotzdem sollten sie sich aber eingestehen, dass sie es durchaus besser können als hier gezeigt.

Wertung: (6,5 / 10)

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