Rippy – Das Killerkänguru (AUS 2024)

Das neue Jahrtausend ist erfüllt von schrottigen Tier-Horror-Streifen. Allerdings kam darin bislang noch kein untotes Känguru vor. Dessen kompromissloses Walten wird gleich in der Auftaktsequenz von „Rippy“ veranschaulicht. Zumindest im Ergebnis, wenn ein blutig zerrupfter Camper in seinem Zelt gezeigt wird. Doch schon die folgende Off-Einleitung von Titelheldin und Provinz-Polizistin Maddy (Tess Haubrich, „Alien: Covenant“) offenbart, dass es Regisseur und Co-Autor Ryan Coonan, dessen Kurzfilm „Waterborne“ (2014) als Vorlage des Streifens diente, nicht auf die trashige Auslotung des Stoffes anlegt.

Denn Maddy ist vor allem darum bestrebt, dem Vermächtnis ihres verstorbenen Vaters, der ebenfalls Sheriff der australischen Kleinstadt Axehead war, gerecht zu werden. Die damit transportierte Schwermut bringt den Film jedoch nicht weiter, sondern verpasst der überschaubaren Spielzeit in ihrer beharrlichen Vertiefung überflüssige Dehnung. Immerhin Genre-Kino-Veteran Michael Biehn („Terminator“) verleiht seiner Rolle des exzentrischen Schmitty, ein enger Freund von Maddys Vater und mehr noch Ex-Mann ihrer Tante Donna (Angie Milliken, „Jungle“), der Prämisse gebotene Übertreibung.   

Er verpasst dem von ihm Rippy getauften Killer-Beuteltier ein paar Kugeln und warnt Maddy anschließend vor der drohenden Gefahr. Nur schenkt die seinen Ausführungen keinen Glauben. Vielmehr fällt der Verdacht nach dem Fund übel zugerichteter Leichen auf einen hünenhaften Mitarbeiter (Nathan Jones, „Boar“) der örtlichen Bergbauunternehmung. Nur geht das Töten auch nach dessen Verhaftung unvermittelt weiter. Als die Einberufung einer Jagdgesellschaft weiteres Blutvergießen nach sich zieht und das durch verseuchtes Wasser mutierte Känguru eindeutig als Gefahrenherd ausweist, macht sich Maddy mit Schmitty und Donna daran, das Untier zur Strecke zu bringen und ihr eigenes persönliches Trauma zu überwinden. 

Was dem Film zugutegehalten werden muss, ist die für B-Verhältnisse respektable Produktionsgüte; einschließlich des solide getricksten CGI-Kängurus. Damit hebt sich „Rippy“ doch durchaus wohltuend von den „Sharknados“ und „Zoombies“ ab. Weniger Pluspunkte sammelt der Streifen hingegen durch die – gerade gemessen an der Figurierung des Monsters – viel zu ernste Inszenierung. Dass die Figuren im Tier-Horror respektiert werden können, ohne den ironischen Anstrich zu untergraben, haben Produktionen wie „Black Sheep“ (2006) belegt. Dessen Kurzweil hüpft „Rippy“ aber deutlich hinterher. Zwar unterfangen Gewaltspitzen, Wunddetails und der Zombiekalypse-Ausklang den Horror-Anteil, die zähe und vor allem ideenlose Inszenierung stützt aber einzig den Eindruck, dass Coonan mit der absurd gefärbten Grundidee einfach viel zu wenig anzufangen wusste.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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