Ringo, such dir einen Platz zum Sterben (I 1968)

ringosuchdireinenplatzzumsterbenGold allein macht auch nicht glücklich. Das Ehepaar Paul und Lisa Martin (Pascale Petit, „Boccaccio“) muss das am eigenen Leib erfahren, als es fern der Heimat auf das begehrte Edelmetall stößt. Eigentlich sollte die von ihnen bewirtschaftete Miene längst geschröpft sein. Eigentlich. So werden die beiden bereits von gierigem Gesindel bedrängt, als die Anfangstitel von Guiliano Carnimeos („Sartana – Töten war sein täglich Brot“) grundsolidem Spaghetti-Western „Ringo, such dir einen Platz zum Sterben“ noch nicht vorüber gezogen sind. Als ihnen allmählich die Munition ausgeht, sprengt Paul die Lumpen mit Dynamit hinfort. Dabei kracht eine Gerölllawine zu Boden und begräbt ihn unter sich.

Dramaturgisch ist der Streifen recht dünn geraten, wenn Lisa den Verletzten Gatten allein zurück lässt und mit etwas Gold versucht, im nächstgelegenen Kaff Helfer zu engagieren. Dabei macht die naive Frau die Bekanntschaft des trinksüchtigen Kriegsveteranen Ringo Collins (Jeffrey Hunter, „Der längste Tag“), der dem Originaltitel zufolge eigentlich auf den Namen Joe hört. Er hält ihr nicht nur die Schergen des gefürchteten Banditen Chato vom Halse, sondern hilft ihr auch bei der Anheuerung williger, mehr goldgieriger Unterstützer. Aus reiner Nächstenliebe ist keiner der Männer dabei, nicht einmal der unterwegs aufgelesene Priester (Adolfo Lastretti, „Shaft in Afrika“) mit krimineller Vergangenheit.

Säufer Collins kommt dem Helden der Geschichte noch am nächsten, immerhin versucht er nicht bei der erstbesten Gelegenheit über Lisa herzufallen, geschweige denn ihr Vermögen ins Auge zu fassen. So ist er also darum bemüht, die unberechenbaren Verbündeten im Zaum zu halten und gleichzeitig die von Chato und seiner Bande ausgehende Gefahr abzuwägen. Dabei hat er nicht mit seinem Geschäftspartner Gomez (Reza Fazeli, „Frau Wirtin hat auch einen Grafen“) gerechnet, der die Zweckgemeinschaft in Blei eiskalt an die Banditen verrät. Als sie Lisas Mann ermordet vorfinden, gilt es sich in die Höhle des Löwen zu wagen und den Outlaws einzuheizen. Schließlich haben die auch das versprochene Gold geraubt.

Die gute Regie und ansehnliche Darsteller, unter denen sich auch Nello Pazzafini („Sein Wechselgeld ist Blei“) und Piero Lulli („Mein Name ist Nobody“) tummeln, heben „Ringo, such dir einen Platz zum Sterben“ über den Durchschnitt. Maßstäbe setzt Genre-Routinier Carnimeo zwar nicht, doch versteht er sich auch diesmal auf ansprechend kurzweilige Unterhaltung. Zu der tragen auch die unpassend humorigen Ausreißer der deutschen Synchronisation bei, die mit Sätzen wie „Dich bürst‘ ich gleich ab du Untermensch und dann staubt‘s in der guten Stube“ für manchen Kalauer sorgt. Im Grunde also nichts Neues im wilden Westen, dank stimmiger Umsetzung und munteren Akteuren aber ein durchaus sehenswerter Beitrag.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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