Ring of Fire 2 (USA 1993)

ringoffire2Und ewig wüten teutonische Titelgeber: Gelangte „Ring of Fire“ noch als „Bloodfist Fighter 2“ in den Verleih, wurde dessen schlicht „Ring of Fire 2“ getaufte Fortsetzung hierzulande in „Bloodfist Fighter 4“ verwandelt. „Karate Tiger“ war wohl aus der Mode gekommen! Dem Zuschauer aber kann das herzlich egal sein, die Überschrift ändert schließlich nichts am Inhalt. Der ist in diesem Falle denn auch von besonders bekloppter Sorte, sollte unermüdliche Schwachsinns-Connaisseure aber vor anhaltendem Gelächter dem Erstickungsanfall nahe bringen.

Was das eingeschworene Team des einschläfernd dullen Erstlings – neben dem Produzentengespann Pepin/Merhi durfte Richard W. Munchkin („Texas Payback“) wieder das Regiezepter schwingen – hier aus dem Hut zaubert, ist an Kopfschütteln forcierendem Unfug kaum zu überbieten. Dass die maßlos überzogene Prügelorgie dem Original aber schon früh eine lange Nase dreht, liegt am flotten Tempo und dem großzügiger verplemperten Budget, das neben schummrigen Kellerkulissen vor allem einen Stiefel wüster Explosionen ermöglicht. Wehe dem, der da nicht frohlockt!

Herrlich bekloppt ist aber vor allem die Story: Als der kampferprobte Doktor Johnny (produzierte und choreographierte auch: Don ´The Dragon´ Wilson, „Cyber Tracker“) einen Überfall auf ein Juweliergeschäft verhindert, prügelt er einen der Gangster zur Glastür raus. Zum Dank entführt Schurke Kalin (Ian Jacklin, „Death Match“) Johnnys Verlobte Julie (Maria Ford, „Alien Terminator“) und verschleppt sie in die Unterwelt, wo derb kostümierte Gangs zwischen „Warriors“ und „Riffs“ regieren. Mit Hilfe des verkrüppelten Ex-Soldaten Ernest (Sy Richardson, „Sie leben!“) pflügt Johnny durch ihre Reihen, bis er den notorischen Totschläger Kalin für ein finales Scharmützel endlich vor die Fäuste bekommt.

Zum fröhlich gewaltbereiten Tenor des Streifens passt die von jeder Logik befreite Comichaftigkeit. Die schließt besonders Johnnys treues Gefolge ein – u.a. Dale Jacoby („Kickboxer 2“), Vince Murdocco („Female Justice“), Eric Lee („Bloodsport 2“) –, das die im ersten Teil aufgebrachte Todfeindschaft ohne Nachhall überwunden hat. So funktioniert Völkerverständigung! Selbst in der stark gekürzten deutschen Videofassung macht diese zum Schreien komische Kickbox-Gülle mit ihrer gestelzten Daueraction und den überzogenen Akteuren noch ausreichend Spaß. Um ein Vielfaches behämmerter als Teil eins – und gerade darum deutlich unterhaltsamer.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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